Auf ganz eigene Weise geheimnisumwittert ist jedes der Stücke, die die Münchner Philharmoniker am Montag auf die Bühne brachten. Unter der Leitung von Dirigent Nikolaj Znaider und gemeinsam mit Pianistin Alice Sara Ott begab sich das Orchester auf die Suche nach des Rätsels Lösung.

Energisch begann Znaider Brahms' Tragische Ouvertüre mit zwei kraftvollen Orchesterschlägen; das darauffolgende Thema in den Streichern entwickelte er mit größtmöglichem Fluss und gab ihm einen wiegenden Charakter. Etwas massiv wirkte dabei allerdings das tiefe Blech, das zwar den dramatischen Charakter der Ouvertüre unterstrich, gegenüber dem samtigen Streicherklang aber etwas aufdringlich wirkte. Die Münchner Philharmoniker setzten die Tragik, die gleichfalls einige heroische Abschnitte bietet, mit großer Emotionalität um, wobei sie sehr auf ein dynamisches Tempo bedacht waren.

Münchner Philharmoniker © Wildundleise.de
Münchner Philharmoniker
© Wildundleise.de

Ganz sanft und introvertiert hingegen interpretierten die Holzbläser den Beginn des Zweiten Klavierkonzerts von Franz Liszt . Ein Thema, das immer wieder in den verschiedenen Teilen des Konzerts auftauchte und sich unter anderem im zweiten Abschnitt des Martiale, un poco meno allegro mit gleicher Innigkeit und kammermusikalischem Charakter zwischen dem Cello und dem Klavier entspann. Solistin Alice Sara Ott bewies nicht nur an dieser Stelle sondern auch direkt bei ihrem Beginn, dass sie der Klaviatur mit traumwandlerischer Feinheit die verspielten Läufe zu entlocken wusste.

Die harfenartigen Akkordbrechungen gingen bei aller Feinheit zwar etwas im Orchesterklang unter, durchzusetzen wusste sie sich allerdings bei den vollgriffigen Akkorden, die sie mit kraftvoller Vehemenz dem Orchester entgegensetzte und dabei unglaubliche Kontrolle über die Tastatur ausstrahlte. Gleiches galt auch für die virtuosen Passagen, die Ott mit selten gesehener Sicherheit interpretierte. Ihre große Bandbreite an dynamischen Möglichkeiten und klanglichen Varianten spielte sie dabei geschickt aus. Und so erklangen das Allegro moderato mit perliger Klarheit und das Martiale mit marschartiger Präzision. Die Münchner Philharmoniker waren dabei immer bereit, die musikalischen Vorgaben mitzutragen und weiterzuentwickeln.

Den Abschluss und gleichzeitig den Höhepunkt des Konzerts bildeten Edward ElgarEnigma-Variationen, die in 14 Variationen jeweils einen Freund Elgars porträtieren und die speziellen Eigenheiten darstellen. Das Originalthema interpretierte Znaider als ruhige, stetig fortwandernde Melodie, die in den weiterführenden Themen der Holzbläser einen pastoralen Charakter bekamen. Nikolaj Znaider ließ die Münchner Philharmoniker den opulenten Klang englischer Symphonik anschlagen und dabei die elegischen Variationen in großem Gestus darbieten. Die bekannteste Variation, Nimrod, entwickelten die Philharmoniker aus weichem Piano mit großer Emotion, wobei Znaider den dichten Klang gut strukturierte und so die Variation nicht mit Schwülstigkeit überdeckte, sondern kraftvoll auf den Höhepunkt hin entwickelte.

Die lebhafteren Variationen arbeitete Znaider als klare Gegensätze zu den lyrischen Teilen aus, wobei das Intermezzo (über Dora Penny) einen leichten, tänzerischen Charakter bekam oder das Allegro di molto mit seinen rasanten Figuren sehr kantig und spielerisch klang. Im Finale trumpften die Blechbläser der Philharmoniker auf. Während sie auch in den Variationen sehr präsent wirkten, passte der kraftvolle Klang deutlich besser zu den ausladenden Elgar'schen Klängen. Znaider entwickelte die 14. Variation, die den Komponisten Elgar selbst mit viel Pathos beschreibt, in zügigem Tempo, wobei er auf ein kleines bisschen Pomp (zurecht) nicht verzichten wollte.

In diesem interessanten Programm überzeugten alle Musiker mit ihrem Feingefühl und ihrer ausdrucksstarken Interpretation. Auch wenn die Philharmoniker nicht alle Rätsel der Kompositionen lösen konnten, so offenbarten sie die vielen, ihnen innewohnenden Details.

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