Was gibt es Schöneres, als an einem winterlich-verschneiten Nachmittag den Klängen klassischer Musik zu lauschen, und zwar am besten live und in einem eleganten Ambiente. Ein solcher Nachmittag war der 8. Februar, und während draußen die Schneeflocken zu Boden tanzten, musizierte im verspielt klassizistischen Prinzregententheater das Münchener Kammerorchester unter der Leitung ihres umtriebigen Konzertmeisters Daniel Giglberger mit der jungen Geigerin Veronika Eberle ein heiteres Programm klassischer und romantischer Kompositionen.

Veronika Eberle © Marco Borggreve
Veronika Eberle
© Marco Borggreve

Der fröhliche Reigen wurde eröffnet mit der Symphonie in c-Moll VB 142 von Joseph Martin Kraus (1756-1792). Der „Odenwälder Mozart“, wie er wegen seiner Geburtsstadt Miltenberg oftmals bezeichnet wird, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der schwedischen Klassik, hatte er doch seine künstlerische Heimat in Schweden gefunden. Kein Geringerer als Joseph Haydn schwärmte in den höchsten Tönen von ihm, und seine Werke sind wahrlich originell und äußerst hörenswert. Daniel Giglberger, der unter anderem von Reinhard Goebel in die Kunst der historischen Aufführungspraxis eingeweiht wurde, verzichtete mit den Musikern des Kammerorchesters gänzlich auf Vibrato, was auf heutigen Instrumenten mit moderner Besaitung zuweilen etwas kalt klingt. Das Engagement und die Spielfreude der Instrumentalisten waren jedoch so ansteckend, dass man dieses Detail schnell vergaß und sich an den raffinierten kompositorischen Einfällen des Wahlschwedens erfreute, die das Kammerorchester fein herausarbeitete.

Veronika Eberle spielte als erstes Solokonzert an diesem Nachmittag das berühmte Violinkonzert in G-Dur KV 216 von Wolfgang Amadeus Mozart, welches zu den ersten Konzerten einer jeden ambitionierten geigerischen Ausbildung gehört. Eberle, die einst vom ehemaligen Leiter des Münchener Kammerorchesters Christoph Poppen unterrichtet worden war, genießt mit ihren 26 Jahren mittlerweile die Ausbildung der renommierten Violinpädagogin Ana Chumachenco. Wie auch andere Chumachenco-Schülerinnen, zu denen Julia Fischer ebenso zählt wie Arabella Steinbacher und Lisa Batiashvili, hat Eberle eine geschliffene und doch individuelle Klangsprache entwickelt und spielt mit feinem Gespür für Phrasierung und Artikulation.

Abgesehen von einigen minimalen intonatorischen Trübungen und fehlender Synchronität des Orchesters zu Beginn des dritten Satzes gelang das Mozart‘sche Violinkonzert schwungvoll und aus einem Guss. Bemerkenswert differenziert und tänzerisch-anmutig musizierte Veronika Eberle im Rondeau den Übergang zum Mittelteil in a-Moll, der schließlich in einen derben türkischen Marsch mündet. Bei aller ‎Strahlkraft und Souveränität des zeitgenössischen geigerischen Klangideals, welches Eberle perfekt wiedergibt, wünschte man sich zwar manchmal gerade bei Mozart etwas mehr Süße in den langsamen Sätzen, aber diese Details sind nun einmal der musikalischen Mode unterworfen.

Nach der Pause spielte die junge bayerische Geigerin das selten gehörte Violinkonzert in C-Dur, welches Joseph Haydn in den ersten Jahren seiner Zeit am Hofe des Fürsten Esterházy komponiert hatte. Es ist eine Freude, wenn unbekanntere Werke der klassischen Musik von großen Interpreten ‎zu neuem Glanz erweckt werden. Veronika Eberle entlockte ‎ihrer Stradivari dabei nicht nur wohlklingende Kantilenen, sondern setzte auch wohldosiert forsche und klirrende Klänge der leeren Saiten ein. Mit viel Mut zum klanglichen Risiko spielte zuletzt auch das Münchener Kammerorchester das Souvenir de Florence von Peter I. Tschaikowsky. Spieltechnische Perfektion, mit welcher das Orchester besonders im dritten Satz Allegretto moderato bei den diffizilen Passagen im Viotti-Strich brillierte, war gepaart mit der lebensfrohen Verve, die dieses kammermusikalische Meisterwerk versprüht. Beschwingt und zufrieden wurde das Münchener Publikum in den eisig-kalten Winterabend entlassen.