Wenn es ein namensprägendes Signature-Programm eines Ensembles gibt, dann gewiss dieses: The Coronation of King George II durch das inzwischen immer rarer auftretende King’s Consort unter seinem Gründer und Leiter Robert King. Großbritannien, das Schaufensterland des diesjährigen Rheingau Musik Festivals, hielt mit Kings Rekonstruktion der Krönung von George und Caroline in der Westminster Abbey am 11. Oktober 1727 mit seinen Musikern einen erneuten feierlich-opulenten, ja eigentlich zwingenden Einzug in selbst historische Hallen eines Klangfests: in die Basilika Kloster Eberbachs, wo das Ensemble vor dreizehn Jahren just mit demselben Programm erstmals zu Gast gewesen war.

The King’s Consort © Ansgar Klostermann
The King’s Consort
© Ansgar Klostermann

Legendär schon der Beginn des um Georg Friedrich Händels für den Anlass geschriebene berüchtigte Coronation Anthems gekleideten, tatsächlich haltung- und flairannehmenden Zeremoniells, als die sechs Trompeter nach dem eingespielten Westminster-Glockengeläut die traditionellen königlichen Fanfares erklingen ließen, die fünf Trommler wie die Drum Majors herrschaftlich im Halbdunkeln einmarschierten und der Chor seine ersten Prozessionsrufe („Vivat!“) in das Kirchenschiff warf. Danach wurde mit William Childs kontrastierend mildem, doch nicht minder inbrünstigem O Lord, grant the King a long life aus dem Narthex der originelle Reigen der kongregationalen Segenswünsche eröffnet.

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Mit dem Spotlight auf das Orchester des King’s Consort und Dirigent King zu Händels freilich erst zwanzig Jahre späterer, feierlich angemessener Occasional Oratorio Overture Part I gerichtet, fand sich der Chor auf der Bühne ein, wo er in affektreichem Impetus Henry Purcells royalen Psalm-Prayer I was glad vortrug, der erstmals zur Krönung Charles' II in Westminster gespielt worden war. Nachdem geschmeidig sonorer Bass Henry Montgomery die Rolle des Erzbischofs von Canterbury mit der Recognition nach dem anglikanischen Form and Order of the Coronation Service eingenommen hatte, die die Musiker als Landesbischöfe mit „God save King George“ erwiderten, widmete sich das King’s Consort Händels erster Anthem Let thy hand be strengthened.

Wie nachfolgend alle weiteren Anthems in gemächlicherem Schrittmaß und mit akustik- und erfahrungsbeschenkter Dynamik versehen, füllte das King's Consort den Raum dabei in resolut-gütiger Klangbewussteinskombination mit kultiviertem Stolz, der zugleich die immer wieder beeindruckende Frische von Programm und Ensemble untermauerte. Bevor die zur Welthymne gewordene, seitdem bei jeder Krönung obligatorische Zadok the Priest zum Abschluss der Salbung voll gewaltigen Pomps erschallen sollte, schlüpften ATB-Chor und im Vierungskreuz von Mittel- und Querschiff postierter, wohlig-andächtiger Bass James Arthur bei Thomas Tallis‘ meditativ-intimer Litanei O God, the Father of Heaven in die Rollen von Cathedral Choir und Bischof. Bei John Farmers Come, Holy Ghost – von der wuchtigeren, die Balance realistisch eintrübenden Konzertorgel begleitet – sang das Orchester die drei Strophen erhoben mit.

The King’s Consort © Ansgar Klostermann
The King’s Consort
© Ansgar Klostermann

Beging der Chor samt Continuobass in erhabener und ehrerbietiger Manier die Investiture mit John Blows Psalmvertonung Behold, o God, our Defender, triumphierte das King's Consort nach Ausrufen des abermaligen Schlachtrufs „God save the King!“ zur Crowning mit Händels The King shall rejoice, in deren zweitem Satz die vokalen Stimmgruppen ihren genüsslichen Harmonien und Linien frönen konnten. Wenngleich die Soli im anschließenden Te Deum Orlando Gibbons' noch deutlicher hätten hervortreten können, perlte das Ensemble dieses gewandt herunter, bis es sich zur Homage in Blows God spake sometime in visions von noch eleganter und inniger nuancierter Seite zeigte, um mit den Acclamations sowie ohrenbetäubendem Trommelwirbel und Fanfarenprunk erneuten Gegenpunkt zu setzen.

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Schließlich kulminierte die musikalische Rekonstruktion in Händels My Heart is inditing zur Crowning of the Queen, als sich liebliche Anmut und firmer Festbombast mit den Pauken die Hand reichten. Unter abermaligem Glockengeläut zogen die Royal Trumpeters und Drum Majors des King's Consort genauso effekt- und erlebnisreich aus, wie sie die neuerliche Nachahmung dieses britischen, barockhistorischen Großereignisses schlechthin beim Rheingau Musik Festival erinnerungswürdig eingeleitet hatten.

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