Mittlerweile besitzen Jordi Savall und sein Orchester Le Concert des Nations ein Einladungs-Abo zur Salzburger Mozartwoche. Selbstverständlich auch dadurch gespeist, dass sich Savall nach den 90er Jahren und ganz ausgänglich, als er sich als 14-Jähriger beim Hören des Mozart-Requiems entschied, Musik zu seiner Profession zu machen, über die Zeit immer stärker und hälftig zum Mittelalterlichen, Renaissance und Barock mit Mozart, klassischem und weiterfolgendem Repertoire beschäftigt. So zudem in dieser Saison, unter anderem in der Ehren-Residenz bei den Berliner Philharmonikern, die Savall, der gerade den Ernst von Siemens Musikpreis zugesprochen bekam, fortan wieder ohne Krücken unterwegs ist und nun ohne Augengläser beim Dirigat auskommt, letzten Monat erstmals leitete.

Was 2022 mit der letztlich ausgefallenen Ausgabe der Salzburger Mozartwoche und somit 2023 starten sollte, setzte sich also über die vergangenen Jahre fort; bis zur diesjährigen 70. Edition, in der den Musikern um Savall die Ehre gebührte, den Vorabend Mozarts 270. Geburtstags zu gestalten und damit den besonderen Feiertag datumsgemäß und nochmals konkreter einzuläuten. Musikalische Beispiele für dieses Einstimmen waren dabei die Serenata notturna, zwei Ouvertüren (!) zum Ausgang beider Konzertteile beziehungsweise zur Überleitung aus den Hauptprogrammpunkten, den Ballettmusikfassungen Glucks Sémiramis (in der Besetzungsvariante späterer Überführung in die 1779er Iphigénie en Tauride, allerdings ohne Posaunen) und Don Juan ou le festin du Pierre (in erster Kurzversion 1761 mit Übernahme des Allegrettos der längeren Bearbeitung), letztere ebenfalls auf der Agenda zuvor bei den Berlinern.
Genau in diesem Jänner zum 250. Mal jährte sich dazu die Entstehung jener ausgeguckten dreisätzigen Mozart-Serenade in D für zwei Violinen, Viola, Kontrabass, Pauke und Streichorchester, fast einer kleinen Sinfonia concertante, die mit festlicher Attitüde Marc Clos‘ marschsatzgeprägter, traditionell kräftiger, akzentfreudiger Pauke des Concerts des Nations sowie lieblich tänzerischen, im Rondo typisch charakterspaßigen Streichern aufwartete. Und – neben leider einigen Intonationsproblemen bei den Saitensoli – so zum Einstieg Savalls Gewohnheit untermauerte, die Kontraste anstelle breiter Tempo- oder Dynamikdimensionen eben durch Artikulation und Ausdruck zum Vorschein zu bringen.
Besonders deutlich geriet diese Expressionsorientierung in den zwischen Adagio, Larghetto, Andante, Moderato, Maestoso, Allegro und Presto eigentlich subtil bis vielfältig wechselnden Satzbildbänden Glucks seltener Ballettmusiken, die festanlässlich, besetzungsmäßig oder inhaltlich mit den Mozartstücken des Abends verbunden waren und unter dem Festivalleitspruch „Mozart lebt“ auch die dramatische Inspiration des in Wien ansässigen Bühnenreformators feierten.
In Sémiramis, zunächst 1762 komponiert und als Festbeitrag am 31. Jänner 1765 im Burgtheater aufgeführt, zeugten davon exzellent theatralische Hörner, resolute, bissig-beherzte, alerte Streicherakkorde oder graziler-kantablere Saiten- und Holzpassagen, bereits hinzugefügte, feschfarbige spanische Gitarre und schmissiges Janitscharengewand aus Pauke, großer Trommel, Becken, Triangel und Trompeten. Jene beliebten Türkenklänge führten attacca, jedoch eher holprig vollzogen, in Mozarts durch die historischen Instrumente schön deftig-knackige Ouvertüre zur Entführung aus dem Serail.
Geschickter und mit umgebenden Paukenwirbeln effektgelenkter gelangen Savall und Ensemble der Einbau der schreckens- und schicksalsbetonten, von Schlagwerk, Blech und Bässen düster gehüllten Ouvertüre zu Don Giovanni vor Glucks aufgetanem musikalischen Feuerschlund seiner Don Juan-Variante mit Serenade (!) und Festschmaus im ersten und zweiten Akt, die im Ausdruckstemperament mit spanischem Kolorit in Chaconne und Kontratanz von plakativer Energie und Strenge getragen waren, die dieser Doppeljubiläum begehenden Salzburger Mozartwoche, Mozart selbst und Gluck alle Ehre erwiesen.


















