Von Alban Bergs Wozzeck zu Zemlinskys Der Zwerg und Offenbachs Les Contes d’Hoffmann, die Titelhelden der neuen Spielzeit der Deutschen Oper Berlin sind am Rande der Gesellschaft. Es verspricht, eine düstere Saison zu werden, voller dunkler Magie und unerfüllter Liebe.

Deutsche Oper Berlin © Bettina Stöß
Deutsche Oper Berlin
© Bettina Stöß
Die Deutsche Oper ist bekannt dafür, selten gespielte Werke auf die Bühne zu bringen, und diese Saison ist keine Ausnahme. David Butt Philip – gelobt für seine “hypnotisierende” Darstellung des Hamlets in Brett Deans neuer Shakespear-Oper in Glyndebourne letzten Herbst – singt die Titelrolle in Alexander von Zemlinskys Der Zwerg. Es erzählt die Geschichte eines Zwerges, der der spanischen Infantin Donna Clara als Geburtstagsgeschenk überreicht wird. Seiner physischen Missbildung nicht bewusst, verliebt er sich in sie und singt ihr eine Liebeslied. Die Infantin weist ihn jedoch zurück und nachdem er eine Reflexion seiner selbst in einem Spiegel erkennt, stirbt der Zwerg an einem gebrochenen Herzen. Ensemblemitglied Elena Tsallagova singt Donna Clara in Tobias Kratzers Debüt an der Deutschen Oper.

Robert Carsen kehrt für seine vierte Inszenierung an die Bismarckstraße zurück, die Uraufführung von Detlev Glanerts Oceane. Für das Fontane-Jahr 2019 führen Glanert und der Librettist Hans-Ulrich Treichel ihre Zusammenarbeit nach Caligula in 2006 fort, um Fontanes Entwurf einer Novelle Oceane von Parceval auf die Opernbühne zu bringen. Die schwedische Sopranistin Maria Bengtsson singt Oceane, eine mysteriöse Frau aus dem Meer, die versucht, ihren Platz in einer männerdominierten Gesellschaft zu finden. Außerstande menschliche Emotionen zu fühlen, kehrt sie ins Meer zurück.

Nachdem Alban Berg 1914 die Premiere von Georg Büchners Stück Woyzeck gesehen hatte, wusste er sofort, dass er es für die Opernbühne adaptieren wollte. Der österreichische Komponist schrieb das Libretto für die oft als erste des 20. Jahrhunderts bezeichnete Oper selbst. Sie handelt vom Soldaten Wozzeck, der durch Demütigungen in den Wahnsinn getrieben wird. Aber anstatt Wozzecks Mord an Marie, die Mutter seines unehelichen Kindes, und seinen darauffolgenden Selbstmord als großes Drama darzustellen, drückt Berg die Emotionen und die Darstellung seiner Charaktere durch Atonalität aus, um die Entfremdung Wozzecks zu verstärken. Nach der diesjährigen Carmen, kehrt der norwegische Starregisseur Ole Anders Tandberg an die Deutsche Oper für diese Neuinszenierung zurück, die vom Generalmusikdirektor Donald Runnicles dirigiert wird. Der dänische Bariton Johan Reuter – eine mehr als nur zuverlässige Bank für das Repertoire aus dem 20. Jahrhundert – singt die Hauptrolle, neben Elena Zhidkovas Marie

Jakob Ahlboms <i>Hoffmann</i> © Thomas Aurin
Jakob Ahlboms Hoffmann
© Thomas Aurin
Erwarten Sie magische Windmühlen von Jakob Ahlboms Don Quichotte! Der niederländische Regisseur, Choreograph, Darsteller und Magier wird für seinen einzigartigen Zugang zum Musiktheater gefeiert und wird sehr wahrscheinlich an seinen früheren Erfolg mit Hoffmann in der Tischlerei an der Deutschen Oper anknüpfen. Alex Esposito gibt sein Rollendebüt als Don Quichotte, der sich auf ein weiteres Abenteuer mit seinem komischen, aber treuen, Knappen Sancho Panza (Mikheil Kiria) begibt, um die Perlenkette der La belle Dulcinée zurückzugewinnen. Es ist Jules Massenets vorletzte Oper, die bereits von der eigenen Krankheit und Gedanken über den Tod des Komponisten geprägt ist.

Alex Esposito erscheint ebenfalls als Lindorf, Nemesis von Daniel Johanssons Hoffmann, in Laurent Pellys Produktion von Jaques Offenbachs opéra fantastique Les Contes d’Hoffmann. Der französische Regisseur inszenierte die Erzählungen des Dichter, der nicht nur in eine eine, sondern gleich vier Frauen (alle von Kathryn Lewek gesungen), unglücklich verliebt ist, ursprünglich für die Opéra de Lyon. Unser Kritiker beschrieb sie, als sie in San Francisco gespielt wurde, als finstere und unheimliche Inszenierung, die das “Innenleben von Hoffmann hervorhebt”. Nach Le Prophète in dieser Saison, ist der italienische Dirigent Enrique Mazzola wieder im Orchestergraben der Deutschen Oper zu sehen.

In Vincenzo Bellinis Belcanto-Oper La sonnambula bricht Elivnos Idyll in den Schweizer Alpen zusammen, als Amina im Schlafzimmer eines anderen Mannes aufgefunden wird, nichts ahnend, dass seine Verlobte eine Schlafwandlerin ist. Im Mai wird die Liebe zwischen Pretty Yendes Amina und Lawrence Brownlees Elvino in einer Inszenierung von Jossi Wieler, Sergio Morabito und Anna Viebrock für die Oper Stuttgart auf die Probe gestellt, Diego Fasolis dirigiert.

Christian Spuck düsterer <i>Fliegender Holländer</i> © Thomas Jauk
Christian Spuck düsterer Fliegender Holländer
© Thomas Jauk
Ambroise Thomas’ Hamlet nimmt ein glückliches Ende, zumindest für Florian Sempeys dänischen Prinzen, der letztendlich den Thron besteigt. In einer konzertanten Aufführung ereilt Diana Damraus Ophélie und Nicolas Testés Claudius jedoch ihr übliches Shakespear-Schicksal.

Die Repertoire-Saison sieht die Wiederaufnahme von Rolando Villazón’s Inszenierung von La rondine mit Ermonela Jaho als Magda vor, während Klaus Florian Vogt die Hauptrolle in La Damnation de Faust singt, um das Berlioz-Jahr (150 Jahre nach seinem Tod) zu feiern. Wagner-Fans kommen auf ihre Kosten, wenn der deutsche Tenor in Kasper Holtens Lohengrin erscheint, sowie mit Philipp Stölzls Inszenierung der selten gezeigten Oper Rienzi und der Wiederaufnahme von Christian Spucks düsterem Fliegenden Holländer.

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Diese Saisonvorschau ist gesponsert von der Deutschen Oper Berlin.

 

Ins Deutsche übertragen von Elisabeth Schwarz.