Dass sich die Einstudierung eines Solokonzerts als heikler erweist, als die einer Tondichtung oder Symphonie, machte das Konzert der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Kirill Petrenko und dem Pianisten Víkingur Ólafsson am vergangenen Donnerstag deutlich. Dabei hätte es ein Gewinn sein können, dass Pianist und Dirigent ganz unterschiedliche Vorstellungen von Brahms’ d-Moll Klavierkonzert haben.

Petrenko und Ólafsson haben sich vor allem bei der Aufführung des gewichtigen Kopfsatzes des Ersten Klavierkonzert von Brahms nicht dazu entschieden, ihn als harmonischen Dialog auszutragen oder als einen konzertanten Kampf. Vielmehr musizierten sie für sich als gemeinsam, wodurch das kantige Hauptthema mit den Oktaventrillern zu Beginn im Orchester prächtig gelang.
Auch die vielfachen Verwandlungen dieses Themas klang in der eröffnenden Orchesterexposition als organische Entwicklungen. Ólafsson hatte seinen großen Auftritt mit dem ihm zunächst vorbehaltenen Seitenthema, das er sanft und nicht vergrübelt gesangvoll strömend vortrug. Wenn Solist und Orchester aber gemeinsam zu agieren hatten, dann wurde es mitunter problematisch, nicht zuletzt weil sich Ólafsson zu häufig Temposchwankungen gestattete ohne das Orchester darauf vorzubereiten. So fanden sie im Kopfsatz nicht recht zueinander.
Im Rondofinale durfte Ólafsson unangefochten das Kommando übernehmen. Er agierte von Beginn an mit Verve während im Orchester die Details präzise herausgearbeitet wurden: so vor allem im delikaten Fugato, in dem das Orchester sorgfältig die beiden Themen miteinander kontrapunktierte.
In Richard Strauss’ Tondichtung Also sprach Zarathustra konnte Petrenko nun allein die Kontrolle übernehmen und führte das Orchester mit größter Umsicht durch das Dickicht der Partitur. Er zeichnete die Entwicklung der Motive wie ein Erzähler nach, wobei er sich jeglicher Ironie enthielt. So wurden zunächst die in asketischen Idealen hängengebliebenen Hinterweltler in weihevolle Töne getaucht und der oft belächelte Walzer im zweiten Teil – Strauss hatte Nietzsches dionysischen Tanz in den bürgerlichen Salon versetzt – wurde vom Orchester genutzt, die Schwere der Motive des ersten Teils in die Leichtigkeit des zweiten aufzulösen. Petrenko nahm sich zurück und ließ den Konzertmeister Daishin Kashimoto brillieren.
Ganz groß wurde die Aufführung am Schluss in der Schlechtwetter-Prognose. Petrenko dämpfte das Andachtsmotiv der Hinterweltler im Ton herab und breitete ein tönendes Niemandsland aus, das sich spiegelverkehrt zum Sonnenaufgang des Beginns hören ließ. Metallisch scharf tönten die Piccoloflöten gegen dumpfes Streicherpizzicato und trocken knarrende Posaunen-Akkorde. Das Orchester ließ wie erstarrt Dionysos, den Zerrissenen, als den einzigen Gott, der bleibt, in Tönen wie auf einer imaginären Bildfläche erscheinen.
Eine große Aufführung, die für alles entschädigte, was in der ersten Hälfte des Konzerts nicht ganz gelungen war.



















