Ein regelrechtes Mammutprojekt nahm die Styriarte dieses Jahr mit dem Styriarte Youth Orchestra in der Helmut-List-Halle in Angriff, denn Gustav Mahlers Zweite Symphonie im Rahmen eines einwöchigen Orchestercamps mit jungen Musikerinnen und Musikern – die noch nie gemeinsam in dieser Konstellation gespielt haben – auf die Bühne zu bringen darf durchaus als ambitioniert bezeichnet werden. Dass der Abend schließlich zu einem Erfolg auf ganzer Linie wurde, ist dabei wohl zu einem beträchtlichen Teil der leidenschaftlichen Leitung von Mei-Ann Chen zuzuschreiben.

In jeder Sekunde merkte man Chen die Freude an der Arbeit mit dem jungen Orchester an. Sie koordinierte und prägte das Konzert vom Pult aus mit einer alle im Raum ansteckenden, geradezu euphorischen Energie und zugleich mit bemerkenswerter Umsicht und Klarheit, durch die das Orchester Raum zum Glänzen bekam.
Bereits im ersten Satz beeindruckten die jungen Musikerinnen und Musiker mit erstaunlich reifem, eleganten Klang. Insbesondere der lyrische Glanz der Oboe sowie die warm schattierten Hörner sorgten dabei für erste Highlights. Chen leitete das Allegro dynamisch höchst differenziert und mit großer Umsicht, wobei sie Mahlers Werk ebenso forsch peitschend wie auch nostalgisch schwelgend in den Abend malte. Diese Gegensätze verdichteten sich auch in der Interpretation des zweiten Satzes, der einerseits leichtfüßig und tänzerisch, fast wie ein sonniger Sommertag erklang und gleichzeitig auch eine vorausahnende, etwas melancholische Stimmung mit sich brachte, sodass die Musik wie die spiegelnde Oberfläche eines stillen Sees wirkte, unter der schon leichte Wellen der Unruhe spürbar werden. Treibende Kraft waren dabei die Streicher, die Geschmeidigkeit und Wärme des Klangs mit transparentem, nuanciertem Spiel voller innerer Poesie verbanden.

Im dritten Satz hielt die Dirigentin ihr Orchester zu forschen Tempi an, ohne dabei durch die Partitur zu hetzen oder die elegische Grundstimmung zu opfern, die sich schließlich auch wunderbar im Urlicht fortsetzte. Der orchestrale Klang trat hier elegant in den Hintergrund, wodurch der ganze Fokus auf Jolana Slavíková lag, die ihren Part gleichermaßen mit emotionaler Ausdruckskraft und berührender Schlichtheit gestaltete. Ihr Mezzosopran strahlte dabei in allen Lagen und schuf eine innige, erhebende Atmosphäre.
Das abschließende Scherzo kam wieder lebendig und tänzerisch daher, mit schöner Steigerung und sich daraus ergebender wachsender Intensität. Das Schlagwerk agierte in Sachen Präzision und Klangwucht dabei ebenso auf den Punkt wie der Chor, der die finale Auferstehung himmlisch emporschweben ließ; Miriam Kutrowatz’ Sopran fügte sich dabei hervorragend ein und erhob sich schließlich engelsgleich über den Klang.

Eine nette Ergänzung zum musikalischen Erlebnis bildeten dabei übrigens auch die dezenten Lichteffekte in der Helmut-List-Halle bzw. auf der Leinwand hinter dem Orchester, die perfekt zum diesjährigen Styriarte-Festspiel-Motto „Lichtspiele“ passten und die Wirkung der Musik unterstrichen.




















