Das neue Jahr starteten die Münchner Philharmoniker unter der Leitung des Holländers Ton Koopman und rahmte zwei Bachkantaten mit berühmter weltlicher Orchestermusik wie Bachs erstem Brandenburgischen Konzert und der Feuerwerksmusik von Händel. Den Eindruck, dass das Programm nicht recht zusammenpassen wollte, konnte auch die spanische Sopranistin María Espada nicht wettmachen, die die Philharmoniker in den Kantaten unterstützte.

Ton Koopman © Jaap van de Klomp
Ton Koopman
© Jaap van de Klomp
Den festlichen Einstieg in das Programm markierte Bachs Erstes Brandenburgisches Konzert, das die Philharmoniker mit viel tänzerischem Effet interpretierten, wobei der Basso continuo besonders in den schnellen Sätzen eine exzellente Basis bot, auf die die übrigen Gruppen aufbauen konnten. Das Adagio bot Koopman mit melancholischem Ausdruck dar, den die Solovioline in ihrem Klang übernahm. Mit klagendem, dennoch warmem Timbre führte Konzertmeister Julian Shevlin durch den Satz, der so zum Ruhepol des Konzerts wurde. Besonders akkurat arbeitete Koopman auch die Trios im letzten Satz, die die präzise Zusammenarbeit der Philharmoniker bewiesen. Dennoch wirkte der groß besetzte Streicherapparat in den Tutti-Passagen etwas erdrückend und die ein oder andere rhythmische Ungenauigkeit ließ den Gesamtklang etwas verwischen.

Den geistlichen, innigen Block bildeten die beiden Kantaten Jauchzet Gott in allen Landen und Weichet nur, betrübte Schatten. Mit ihrem getragenen, tieferem Ausdruck wollten die beiden Werke zwar nicht so recht zum feierlichen und fröhlichen Rahmen passen, die beiden Instrumentalsolisten der Kantaten konnten dagegen durchaus überzeugen. Guido Segers verlieh dem Jauchzet Gott in allen Landen mit seinem warmen, klaren Trompetenton in den beiden Ecksätzen den erforderlichen feierlichen Klang, wobei Marie-Luise Modersohn die Linien ihrer Oboe bei der nachfolgenden Kantate wunderbar mit Espadas Sopran verwob.

Espada selbst war vor allem mit den schnellen Koloraturen sehr beschäftigt, worunter besonders die Textverständlichkeit litt. Mit ihrem nicht all zu vollen Timbre, das vor allem in der Tiefe etwas mehr Kraft vertragen hätte, verschwand sie zum Beispiel in der ersten Arie „Jauchzet Gott in allen Landen“ allzu oft im Klang des Orchesters. Ihr lagen die ruhigen Passagen wie die erste Arie aus der Kantate Weichet nur, betrübte Schatten hörbar besser, wobei sie hier ihr beeindruckendes Piano stark entwickeln und ihrem klaren Timbre eher gerecht werden konnte.

Trotz riesenhafter Bläserbesetzung für Händels Feuerwerksmusik war die Musik bei ihrer Uraufführung im Londoner Green Park nur bei günstigem Wind zu hören. Da kann man sich heute nur über die Akustik in den Konzertsälen freuen, selbst wenn es so eine schwierige ist wie die in der Münchner Philharmonie. Der Konzertsaal ließ die Ouvertüre mit all ihrem Pomp erstrahlen und trug die wirklich festlichen Klänge wundervoll weiter. Dennoch beließ es Koopman zum Glück nicht bei dem schnöden Pomp, denn der ist ja nur all zu bekannt. Mit feiner dynamischer Abstimmung formte er Konturen aus dem Notentext heraus und gab der Ouvertüre so einen flexiblen, lockeren Charakter.

Mit besonderer Spielfreude überzeugten die fanfarenhaften Trompeten, die dem insgesamt recht vollen Klang eine gewisse Leichtigkeit gaben. Die Hörner zeichneten den kantigen Klang der Trompeten mit warmem, weichem Klang nach und waren so präzise Spielpartner im Blech. Koopman wählte für La Rejouissance ein recht zügiges Tempo, stellte es so einerseits dem ruhigen La Paix entgegen und setzte gleichzeitig den tänzerischen Charakter hervorragend um.

Wenngleich den Philharmonikern die festlichen Konzerte weit besser lagen als die geistlichen Kantaten, die bei all dem feierlichen Rahmen all zu schwer wirkten, haben sie besonders mit der Leichtigkeit, die sie in die Musik der Feuerwerksmusik einfließen ließen, doch einmal mehr ihre Klasse bewiesen.

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