Mit Dvořáks Neunter Symphonie und Tschaikowskys Erstem Klavierkonzert setzten die Münchner Symphoniker zwei Schwergewichte der Romantik auf das Programm. Das Orchester ist bekannt für seine Zusammenarbeit mit jungen Künstlern, die noch vor dem großen Durchbruch ihrer Karriere stehen. So hatte das Orchester auch an diesem Sonntagmorgen mit Mona Asuka Ott eine junge Pianistin für Tschaikowskys berühmtes Erstes Klavierkonzert eingeladen. Ihre Interpretation des Klavierkonzerts war zwar sicherlich noch nicht vollkommen, dennoch bewies sie bereits einige Finesse und ein sehr gutes Gespür für die lyrischen Passagen.

Mona Asuka Ott © Harald Hoffmann
Mona Asuka Ott
© Harald Hoffmann
Der Kopfsatz dieses Ersten Klavierkonzertes ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Neben der allseits bekannten Orchestereinleitung machen allein die markanten Akkordklänge des Klaviers, mit denen das Klavier den Satz beginnt, das Konzert unverkennbar. Zudem sind die beiden folgenden Sätze zusammengenommen nur gut halb so lang wie der erste, daher steht und fällt das Konzert mit seinem ersten Satz, den die Münchner Symphoniker unter der Leitung von Tomáš Brauner mit kraftvollem Klang einleiteten. Otts Akkordgriffe folgten dann leider nicht genauso nachdrücklich und traten im Gesamtklang etwas zu sehr in den Hintergrund. Die virtuosen Läufe gelangen ihr zwar mit großer rhythmischer Präzision, doch es schlich sich durchaus der ein oder andere verirrte Ton ein. Viel besser lagen Ott die erzählerischen Passagen des Werks, in denen sie mit raffinierter Dynamik und genau akzentuiertem Spiel einen beeindruckend geschmeidigen Klang kreierte. Diesen Passagen setzte sie die virtuosen Läufe mit erfrischender Spritzigkeit gegenüber.

Auch das Zusammenspiel der Solistin mit den Symphonikern offenbarte nicht ganz so große Präzision. Gerade im Finalsatz war mancher Einsatz deutlich verschoben, was weniger an Ott als an Tomáš Brauners statischem Dirigat lag. Mit nicht allzu großer Emotion im Gesamtbild klangen vor allem die Holzbläsereinsätze im Kopfsatz an den Forte-Passagen etwas unsauber und kratzig. Das verwunderte sehr, denn im folgenden Satz, dem Andantino semplice, überzeugten gerade die Holzbläser mit ihrem weichen Klang in ihren Solopassagen.

Viel emotionsgeladener begannen die Symphoniker bereits die ersten Takte von Dvořáks Neunter Symphonie. Den melancholischen Anfang der Streicher setzten die Holzbläser mit sehr homogenem Klang fort. Im ersten Satz gelang es Brauner deutlich besser, den Orchesterklang zu entwickeln und die Höhepunkte des Satzes klanglich auszugestalten. Von den Streichern forderte er einen strahlenden Klang, den diese sorgfältig ausspielten und sich so den glänzenden Hornsoli anschlossen.

Das Highlight bildete das Adagio, das mit seiner getragenen Grundstimmung die verschiedenen Solisten exzellent in Szene setzte. Die Blechbläser eröffneten und beendeten den Satz mit großer Homogenität und warmem Klang im Zusammenspiel; den sentimentalen Charakter setzte vor allem das Englischhorn mit einem wehklagenden, allerdings niemals scharfen Ton fort. Mit guter Balance in den Streichern schaffte Brauner den für diesen Satz notwendigen schwelgerischen Klang. Das Scherzo begannen die Münchner Symphoniker kraftvoll und in gutem Tempo. Brauner waren gute Akzentuierung und wuchtiger, aber dennoch flexibler Klang wichtig, dadurch gelang auch das walzerhafte Trio im Mittelteil federleicht und überzeugte mit seinem tänzerischen Charakter.

Münchner Symphoniker, hier mit Kevin John Edusei © Marco Borggreve
Münchner Symphoniker, hier mit Kevin John Edusei
© Marco Borggreve

Im finalen Satz zeigten die Münchner Symphoniker ihre vollkommene Klangkraft, indem Brauner das Orchester zum Fortissimo anspornte, dabei allerdings nicht brachial arbeitete. Den sanften Mittelteil stattete er mit großer Ruhe aus, sodass die Klarinette ihr Solo mit hellem und lyrischem Klang entwickeln konnte. Besonders in diesem letzten Satz sah man den Musikern ihre Begeisterung an – eine Begeisterung, die bei Tschaikowskys Klavierkonzert irgendwie noch gefehlt hatte.

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