Ich liebe Mozart. Ganz besonders liebe ich sein Klavierkonzert Nr. 23. Nicht, weil es das vielleicht bekannteste und das Sinnbild der Gattung ist, sondern weil es eines der ersten klassischen Stücke ist, die ich je kennengelernt habe. Es ist mir seit über 20 Jahren ein lieber Begleiter, und ich kann nicht vergeben, wenn man es nicht gut spielt. Fazıl Say ist für seine Mozart-Aufnahmen bekannt, und meine Erwartungen waren hoch. Sie wurden nicht erfüllt.

Mehr noch, ich war enttäuscht. Say spielte mit sehr hartem Anschlag und unnachgiebigem Forte. Er schien zu treiben und das Orpheus Chamber Orchestra zu überholen versuchen; dieses wiederum passte sich seinem beinahe konstanten Forte mit seinem für ein Kammerensemble erstaunlich großen, vollen Klang an. Say lehnte sich zum Orchester hinüber als kommuniziere er mit ihm, hieb dann wieder in die Tasten als gäbe er dem Orchester überdeutliche Einsätze (was nun wirklich nicht nötig gewesen wäre) und übertönte das Orchester sogar mehrmals. Die ruhigeren Passagen, die er erfreulich weich spielte, hätten einen glauben machen können, dass der Leitgedanke war, Mozarts ungeduldige, musikalisch explosive Seite darzustellen, doch das Ergebnis klang für mich nur übereilt, unsauber und oft asynchron, wenn auch nur um einen Sekundenbruchteil.

Das Andante allerdings begann wunderbar und schuf ein klangliches Pendant von tiefer Traurigkeit und Einsamkeit, dem das Orchester all seine emotionale Ausdruckskraft gab, in einer Staccato-Konversation des Klaviers mit dem Fagott und den gespenstisch leeren Pizzicati. Es ist eine der traurigsten Musiken, die ich von Mozart kenne, und sie wird sogleich so stark kontrastiert von einer seiner charakteristisch blitzenden, ausgelassenen, schnellen Melodien. Say stürzte sich in den dritten Satz mit einem breiten Lächeln auf den Lippen, und seine ungestümen, großen Fortes passten gut in den basslastigen Akkordpassagen, wenngleich die Coda etwas behäbig wirkte und das Konzert als Ganzes für mich nicht zufriedenstellend war. Es war die Zugabe, der dritte Satz aus dem Klavierkonzert Nr. 12, die mich wieder mit dem Pianisten versöhnte. Mit viel besserer Balance zwischen Klavier und Orchester perlte die Solostimme leicht und fröhlich, und es war sympathisch zu beobachten, wie er seine eigenen, langen Töne, die in der Kadenz noch im Pedal nachklangen, abwinkte. Kein Tastenhämmern, keine voreiligen Einsätze, nur enthusiastische, unbeschwerte Musik und ebensolches Spiel. So geht Mozart!

Das Klavierkonzert war zwar das Stück, auf das ich mich am meisten gefreut hatte, doch ich war ebenso neugierig auf Says Eigenkomposition, die danach auf dem Programm stand. Seine Kammersymphonie für Streicher entstand als Auftragswerk für das Orpheus Chamber Orchestra, und es passte hervorragend zu diesem herrlichen Ensemble, das den Abend mit warmem, ruhigem Klang im Siegfried-Idyll eröffnet hatte. Die Symphonie zeigt starke Einflüsse türkischer Musik, die die Auseinandersetzung des Komponisten mit der heutigen Türkei spiegelt und den ersten Satz prägt. Im traditionellen 7/8-Takt und mit den charakteristischen Glissandi, die sie „typisch türkisch“ klingen lassen, wurde die eingängige Melodie sehr präsent und direkt von den Celli vorgestellt. Der Satz beinhaltet zudem zahlreiche perkussive Elemente und teilt sich oft in so viele Stimmen, wie es Musiker in einem Register gibt.

Col legno, vogelgleiche Stimmen, Trommeln auf dem Korpus sowie der Reichtum an musikalischen Ideen verschmolzen in einen sehr dichten, lebhaften Klang, energisch und resolut. Ein sehnsüchtiger, melancholischer und absolut zauberhafter Mittelsatz verdeutlichte die Wichtigkeit der Romantik für Say. Cluster umarmen ein zartes Pizzicato, ein Walzer schwingt vorbei und führt den Höher zu einem klagenden Cellomotiv in extremer Daumenlage, bevor der letzte Satz diesen kurzen Abstecher in einem eher europäisch geprägten Klangbild beendet und den Hörer mit einem turbulenten, bassgetriebenen Tanz zurück nach Istanbul und sein Roma-Viertel versetzt, bei dem die Bogenhaare nur so flogen. Die Kammersymphonie ist ein spektakuläres Werk, das von den Musikern ein immens hohes Maß an Koordination und Vertrautheit verlangt, um seine komplexen Strukturen zu meistern – mit einem Dirigenten, der den Weg weist. Das Orpheus Orchester jedoch umschiffte alle denkbaren Klippen mich scheinbarer Leichtigkeit und faszinierender Präzision, selbst in den rhythmisch denkbar anspruchsvollsten Passagen, dass es eine wahre Freude war.

Diese Interpretation war für mich der Höhepunkt des Abends und der Grund, aus dem dieses Konzert sich von anderen abhebt. Haydns Symphonie Nr. 80, die wohl im üblichen „Sandwich“-Format zur Besänftigung des in Anbetracht des unerhörten modernen Werkes erzürnten Hörers (man bemerke den Sarkasmus) aufs Programm gesetzt wurde, hatte das Pech, nach Says Komposition gespielt zu werden. Das Orchester spielte sie makellos, mit fein geschliffenem, vollem Klang, atmender Dynamik und viel Virtuosität, doch in all ihrer handwerklich hochwertigen Konstruktion konnte sie einfach nicht gegen den Schwung und die Energie der Kammerkomposition ankommen, trotz der kleinen Überraschungen, die Haydn ihr mitgegeben hat. Nichtsdestotrotz war sie ein gefälliger Abschluss für dieses aufregende Konzert und bestätigte noch einmal die Kunstfertigkeit eines ausgezeichneten Orchesters in großen, dicken Lettern.

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