Am 25. Mai 2019 feiert die Wiener Staatsoper „150 Jahre Opernhaus am Ring” mit einer Neuinszenierung eines Werks, das nächstes Jahr ebenfalls ein Jubiläum feiert. Richard Strauss beschreibt seine Oper Die Frau ohne Schatten als seine „letzte romantische Oper”. Die Uraufführung fand – an der Staatsoper – im Oktober 1919 statt, wodurch Vincent Huguets neue Produktion, dirigiert vom Strauss-Experten Christian Thielemann, ein doppelter Grund zum Feiern ist. Es ist eine von sechs Neuinszenierungen in der kommenden Spielzeit, inklusive einer Uraufführung und zwei Premieren des Wiener Staatsballetts: ein wahrer Wiener Geburtstagsstrauß.

© Wiener Staatsoper GmbH
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Die Frau ohne Schatten

hat eine fantastische Handlung, mit Anspielungen auf Tausendundeine Nacht in Form der Kaiserin, die zur Hälfte Mensch ist. In Gestalt einer Gazelle, wurde sie vom Kaiser gefangen genommen, aber sie nahm eine menschliche Gestalt an und heiratete ihn. Doch die Kaiserin wirft keinen Schatten, was ihre Unfähigkeit, Kinder zu gebären, symbolisiert. Ihr Vater Keikobad, der Geisterkönig, verordnet, dass, solange sie keinen Schatten wirft, er sie zurückverlangen und der Kaiser in Stein verwandelt wird. Die Musik Strauss’ ist reich orchestriert und seine Oper verlangt nach großen Stimmen, vor allem die Rolle der Färberin, die einwilligt, ihren Schatten an die Kaiserin zu verkaufen. Die großartige schwedische Sopranistin Nina Stemme singt die Färberin in dieser Neuinszenierung, während Camilla Nylund die Kaiserin und Stephen Gould der Kaiser sind. Evelyn Herlitzius – eine ausgezeichnete Elektra – übernimmt die Rolle der gerissenen Amme. Mit einer derart guten Besetzung, ist Die Frau wohl die schönste Blume im Strauß.

Die erste Neuinszenierung der Spielzeit wird dem Londoner Publikum bekannt sein. Sir David McVicars Produktion von Les Troyens wurde 2012 am Royal Opera House in London eröffnet, und kommt im Oktober endlich nach Wien, das erste Mal seit 40 Jahren, dass Berlioz’ Epos auf die Bühne der Staatsoper gebracht wird. Es ist eine spektakuläre Inszenierung, besonders das gigantische Pferd, das, gegen Cassandres missachteten Warnungen, Flammen aus seinen Nüstern schnaubt. Anna Caterina Antonacci, eine herausragende Cassandre in London, führt die Wiener Besetzungsliste an. Joyce DiDonato muss erst ihre erste Didon auf der Bühne singen, aber ihr Beitrag zu der überragenden konzertanten Aufführung in Strassburg letztes Jahr ließ das Publikum beeindruckt zurück.

<i>Les Troyens</i> am Royal Opera House London © Bill Cooper | ROH
Les Troyens am Royal Opera House London
© Bill Cooper | ROH

Viel öfter als Les Troyens, findet Otello seinen Weg nach Wien. Die Staatsoper zeigte im Laufe ihrer Geschichte sieben Inszenierungen, mit beinahe 500 Vorstellungen von Verdis vorletzter Oper. Adrian Noble, der einen exzellenten Macbeth – eine weitere von Verdis Shakespear-Opern – an der Metropolitan Oper leitete, bringt eine neue Inszenierung ans Haus am Ring, Myung-Whun Chung dirigiert. Aleksandrs Antonenko, ein unvergesslicher Mohr, übernimmt ein weiteres Mal die Titelrolle, während Olga Bezsmertna seine unschuldige junge Braut, Desdemona, singt.

Laurent Pelly ist am besten für seine Inszenierungen von Belcanto-Komödien bekannt, wie zum Beispiel seine originelle Interpretation von La Fille du régiment. Für die neue Spielzeit an der Staatsoper, wendet er sich jedoch etwas viel Ernsterem zu, Donizettis Meisterwerk Lucia di Lammermoor, eine Koproduktion mit der Oper Philadelphia. Pelly bringt eine herrliche Besetzung mit, angeführt von Olga Peretyatko als Lucia und Juan Diego Flórez als ihren heimlichen Geliebten, Edgardo.

Zwei der fesselndsten Neuinszenierungen sind von zeitgenössischen Opern. Manfred Trojahns Orest sorgte 2011 bei der Uraufführung in Amsterdam für große Aufregung. Das Libretto, das vom Komponisten selbst verfasst wurde, stellt den Mord Orests an seiner Mutter dar und wie er – oder eben nicht – mit der Schuld umgeht. Laut Trojahn, begeht Orest nur einen Fehler: „Er glaubt, dass er die Schuld hinter sich zurücklassen kann – erst später erkennt er, dass er mit der Schuld leben muss, um darüber hinwegzukommen.”

© Wiener Staatsoper GmbH
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Johannes Maria Stauds Die Weiden ist ein Auftragswerk der Staatsoper, die Premiere erfolgt im Dezember. Es ist eine Oper für das heutige Europa, die den politischen Ruck nach Rechts behandelt, wenn Peter und Lea sich auf eine Reise entlang eines Flusses begeben, direkt ins Herz eines gespaltenen Kontinents. Ingo Metzmacher, ein Spezialist für zeitgenössische Musik, dirigiert ein Ensemble, angeführt von Tomasz Konieczny und Rachel Frenkel.

Manuel Legris, Direktor des Wiener Staatsballetts, bietet im November eine neue Version eines Klassikers. Sylvia, ein Ballett mit mythologischem Hintergrund, enthält umwerfend schöne Musik von Léo Delibes und ist ein wahrer Publikumsliebling. Es wird Legris’ zweites abendfüllendes Werk für das Staatsballett sein. Es gibt außerdem einen Abend mit Choreographien von William Forsythe, Hans van Manen und Jiří Kylián, unter anderem mit Kyliáns Psalmensymphonie. Die Staatsoper beendet traditionellerweise ihre Spielzeit mit der Nurejew Gala.

Etwa 50 Inszenierungen werden diese Spielzeit wiederaufgenommen, oft mit Starbesetzungen, und vergessen Sie nicht – sollten Sie es selbst nicht an die Staatsoper schaffen, können Sie viele Aufführungen der Saison mit dem Streamingservice live@home genießen.

Werfen Sie einen Blick auf die neue Spielzeit der Wiener Staatsoper und des Wiener Staatsballetts.

 

Diese Vorschau ist von der Wiener Staatsoper gesponsert.