Mit dem Bremer Signum Quartett konnten die Veranstalter der Quartettissimo-Konzertreihe ein weiteres, weltweit renommiertes Streichquartett, zwischen Konzerten bei der Amsterdamer String Quartet Biennale und in der Hamburger Elbphilharmonie, für einen Auftritt im Kurhaus des oberbayerischen Bad Tölz gewinnen.

1994 gegründet, erwarb das Quartett schnell durch die schlüssige Dramaturgie in der Programmgestaltung hohe Wertschätzung. Mit dem innovativen Social-Media-Projekt #quartweet machte es 2015 zusätzlich auf sich aufmerksam; 2022 gründete das Quartett den „SIGNUM open space“ als Wirkungsstätte für Proben, Workshops und Musikvermittlung. Mehrfach wurde es als OPUS-Klassik-Gewinner ausgezeichnet. Seit 2016 spielt es in der heutigen Besetzung Florian Donderer und Annette Walther (Violine), Xandi van Dijk (Viola) und Thomas Schmitz (Violoncello). Alle sind neben ihrer Quartett-Tätigkeit in weiteren Ensembles aktiv; so war Donderer 2025 als Solist und Dirigent u.a. mit Paavo Järvis Estonian National Symphony Orchestra unterwegs.
In der Gruppe der zehn späten Streichquartette nimmt Mozarts d-Moll-Quartett KV421 eine Sonderstellung ein: es ist das einzige Moll-Werk. Haydn, dem Mozart sechs dieser Werke gewidmet hat, äußerte sich sehr anerkennend darüber. Das Signum Quartett nahm die besondere Intensität des Beginns sofort auf, die der immense Tonumfang seines Hauptthemas mit seiner fallenden Oktave birgt. Auch die Erregung der folgenden Motive mit aufwühlenden Triolen und Dreiklangsbrechungen spielten sie ungeschönt; eine d-Moll-Stimmung, die bereits an das spätere Klavierkonzert oder Requiem denken ließ. Die Schönheit des Andante brachte kurze Beruhigung; im schroffen Charakter des Menuett knüpften sie wieder an den Kopfsatz an. Im Variationen-Finale, das sogar durch einen Dur-Abschnitt führt, machten die Signum-Streicher Synkopen und Dissonanz-Reibungen in ihrem klagenden Charakter deutlich. Ein vollkommenes Quartettspiel!
Fünf Jahre nachdem Leoš Janáček in seinem ersten Streichquartett ein Liebesdrama, inspiriert von Tolstois Kreutzersonate, vertont hatte, greift er erneut zur Streichquartett-Form; im Quartett Nr. 2, „Intime Briefe”, schreibt er sich 1928 seine aussichtslose, fast aufdringliche Liebe zu der 37 Jahre jüngeren Kamila Stösslová von der Seele, die ihn auch zu Frauengestalten seiner Opern angeregt hatte. Unbeeinflusst vom zeitgleichen Umbruch zur Atonalität entwickelt Janáček seinen eigenen, expressiven und von böhmischem Tonfall gefärbten musikalischen Stil. Die schnelle Wiederholung und Steigerung kurzer melodischer Motive kennzeichnen seine Schreibweise.
Wie tief sich das Signum Quartett in diese Klangwelt eingearbeitet und eingefühlt hat, wurde in der ergreifend exemplarischen Wiedergabe dieses von Kontrasten geprägten Werks deutlich, das in weniger inspirierten Aufführungen oft angestrengt buchstabiert wirken kann. „Es ist meine erste Komposition, deren Töne von all dem Liebenswürdigen durchglüht sind, das wir miteinander erlebt haben“, schrieb Janáček; an Stelle der zunächst vorgesehenen Viola d’amore, die das Liebesglück ausdrücken sollte, setzte er doch eine gewöhnliche Bratsche als Stimme der Frau ein.
In Sextparallelen der Geigen eröffnete das Signum Quartett das einleitende Andante, im folgenden gedämpften Solo der Bratsche sul ponticello drückte Xandi van Dijk ein erstes Mal die Erscheinung der bezaubernden Frau aus. Ein emotionales Drama nahm seinen Lauf; ungeahnte pure und packende Leidenschaft packten die Musizierenden in Janáčeks Musik, reizten Stimmungen bis zum Bersten aus, ließen das Glühen der Verliebtheit in schmeichelndem Adagio, verträumt zärtlicher Erregung aufleuchten. Töne als Liebesbriefe, deren Auffalten das Signum Quartett zur Janáček-Sternstunde machte.
In stupender Virtuosität nahm sich Signum auch Johannes Brahms' Streichquartett c-Moll an, in dem man dessen Emanzipation vom Vorbild Beethoven nachvollziehen konnte. Vom himmelstürmenden Beginn des Allegro bis in die schwelgerisch melodischen Gesten der Adagio-Romanze konnte das orchestral aufgefächerte Klangspektrum mit seinen Temperaments-Ausbrüchen überzeugen.
Dass die Vier, aufgewachsen auch mit The Kinks, Led Zeppelin und Radiohead, mit „Rock-Lounge“ noch ein weiteres Lieblingsprojekt entwickelt haben, wurde in der umfangreichen Zugabe deutlich: Berührungspunkte zwischen Rockmusik und Klassischer Musik auszuloten wird hier Programm. Schon You really got me von The Kinks ließ aufhorchen, wie Rockmusik im Kern auch Kammermusik ist. Matthijs van Dijk, Bruder von Xandi, hat hier die Bearbeitungen ausgefeilt, und mit Heartbreaker sowie Radioheads Paranoid Android rockte das fulminante Quartett, inklusive Stampf- und Klopfkaskaden, den dicht besetzten Gabriel-von-Seidl-Konzertsaal zu frenetischem Beifall.

















