Nach der romantischen Nacht Anfang Juli widmete die Styriarte einen weiteren Abend im diesjährigen Programm den nächtlichen Spukgenossen und stellte dieses Konzert unter das Motto „Geistertrio”; naheliegend, dass auch Beethovens Klaviertrio in D-Dur, das diesen Beinamen trägt, dabei nicht fehlen durfte. Bevor allerdings die drei Beethoven’schen Geister in der Helmut-List-Halle loslegen durften, standen Werke seiner Zeitgenossen am Programm.

Fritz Kircher, Florian Birsak und Luis Zorita © styriarte | Wagner
Fritz Kircher, Florian Birsak und Luis Zorita
© styriarte | Wagner

In Joseph Haydns Klaviertrio in es-Moll bot Florian Birsak am Hammerklavier beeindruckend flotte und geschmeidige Arpeggien, sein Anschlag klang jedoch über weite Strecken harsch – insbesondere im Vergleich zum sehr lyrischen Spiel von Fritz Kircher an der Geige und Luis Zorita am Cello, die verstärkt auf die zarten Töne setzten. Auch die im zweiten Satz von der Violine zu erklimmende Himmelsleiter des biblischen Jakob erklang dabei als mühelos schwebende Reise in transzendente Sphären. Zurück auf der Erde wurden vor dem nächsten Werk die Musiker einmal vollständig ausgetauscht und die Glasharmonika auf der Bühne platziert, mit der Christa Schönfeldinger in Mozarts Adagio und Rondo in ätherische Welten führte. Im letzten kammermusikalischen Werk des Komponisten ist alles der zentralen Glasharmonika untergeordnet; Flöte, Oboe, Geige und Cello boten allerdings einen umsichtigen Hintergrund für das strahlende Soloinstrument. Wie ein dumpfes Flüstern aus dem Jenseits ließ Schönfeldinger die Glasharmonika im Adagio einsetzen und erzielte somit einen entrückten, überirdischen Effekt. Zu beobachten, mit welcher Fingerfertigkeit und Zärtlichkeit sie ihr Instrument behandelt sorgte neben dem klanglichen auch für einen optischen Genuss. Nach der düsteren Welt des ersten Satzes schwang sich die Glasharmonika im Rondo schließlich in lichte Höhen auf und schillerte in leuchtend optimistischen Farben.

Christa Schönfeldinger © styriarte | Wagner
Christa Schönfeldinger
© styriarte | Wagner

Großen Einfluss auf den Stil und die Entwicklung Mozarts übte Johann Christian Bach, der es als jüngster Sohn von Johann Sebastian Bach trotz großen Talents nie schaffte, aus dem Schatten des berühmten Vaters zu treten. Zugegebenermaßen hat die Aufführung des dritten Satzes aus seinem Quartett in C auch nicht unbedingt dazu beigetragen, das Verlangen nach mehr „Londoner Bach“ (so wurde er bereits zu Lebzeiten häufig bezeichnet) zu wecken. Die Musik plätschert hübsch, aber unspektakulär, dahin und so sehr sich die vier Musiker auch bemühten, dem Werk ihren Stempel aufzudrücken, wollte dieses Unterfangen nicht so recht gelingen. Nach einem erneuten Musikerwechsel durfte in Beethovens Klaviertrio schließlich ein reichlich extrovertierter Geist loslegen, der mal in Form des Hammerklaviers energisch polterte und dann mit dem Klang des Cellos sanft durch Hauswände glitt, bevor er im Zusammenspiel der drei Instrumente wieder für gespenstisches Treiben sorgte. Sehr effektvoll gestaltete der Pianist im Largo das Brodeln, das an den Abstieg in eine Gruft erinnerte und sich mit den melancholisch seufzenden Streichern ideal verband. Mit flotten Tempi und einer zunehmenden Steigerung der Dynamik vertrieben die drei Musiker im finalen Presto schließlich die spukenden Gestalten und führte zurück in die Welt der Lebenden.

Vom Vorspiel im Foyer, das einmal mehr das Poltergeisttrio bestritt, bis hin zum abschließenden, gespenstischen Trio wollte sich die Gänsehaut-Geisterstunden-Atmosphäre allerdings nie so richtig einstellen. Zu viele Auf- und Abtritte, Umbauten und Leerläufe zwischen den Werken zerrissen gefühlt den Abend. Ein schönes Konzert zweifellos, aber von so hochkarätigen musikalischen Gespenstern darf man sich durchaus einen strafferen Spannungsbogen erwarten.

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