Die große Trommel kracht mit brutaler Härte, das Klavier perlt gedankenverloren dahin, das volle Orchester erhebt sich zu feierlicher Größe. Beethovens Musik hat eine Unmenge an Facetten und viele davon präsentierten die Münchner Symphoniker gemeinsam mit dem russischen Pianisten Dmitry Masleev in der Philharmonie.

Zum Auftakt hatten sich die Symphoniker mit Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria ein kleines Kuriosum aus Beethovens Schaffen herausgesucht:. Für das als symphonisches Schlachtengemälde konzipierte Werk verwendete Beethoven zur Charakterisierung der beteiligten Kriegsparteien neben der britischen Nationalhymne und Rule Britannia auch Marlbough s'en va-t'en guerre, das den meisten wohl als For he’s a jolly good fellow geläufig ist. Bei den Symphonikern wurde das Werk allerdings kein plattes, lärmendes Schlachtengetümmel, sondern es gelang ein dynamisch differenzierter und an den richtigen Stellen wuchtiger Beginn. Mit exzellenten Solisten an den Trompeten hätten lediglich die Violinen noch etwas strahlender im Klang sein können.

Der Pianist Dmitry Masleev © Primavera Consulting
Der Pianist Dmitry Masleev
© Primavera Consulting
Masleev ging danach den Kopfsatz des Ersten Klavierkonzerts mit flottem Tempo an, wobei er sicherlich noch keinen perfekten Beethoven hinlegte, aber in seinem Spiel einige interessante Details offenbarte. Mit perligen Läufen, die seine grandiose Technik herausstellten, verlieh er dem Klavierkonzert die nötige Leichtigkeit. Dennoch wirkte sein Anschlag nicht ganz so variabel und klang besonders im ersten Satz noch etwas hart. Dadurch erschien seine Bandbreite an dynamischer Variation eher klein. Dies änderte sich jedoch im Largo, das Masleev mit all seiner Sentimentalität begriff und mit beeindruckenden lyrischen Bogen versah. Hier wurde auch die fein abgestimmte Zusammenarbeit mit dem Orchester hörbar, die sich dem ausdrucksstarken Spiel Masleevs anpassten. Für das Finale fand Masleev wieder zum spritzigen Spiel des ersten Satzes zurück, dennoch wirkte im zügigeren Tempo wieder die ein oder andere Phrase nicht vollkommen ausgespielt und etwas hektisch. Gegensätzlich schienen die Symphoniker für einen Beethoven stellenweise etwas breit.

Davon war in der Symphonie schließlich nichts mehr zu spüren. Mit viel Effekt interpretierte Kevin John Edusei den ersten Satz, dessen knackige Rhythmen er mit präzisen Staccati betonte. Nun bemerkte man eine spannungsreiche Spielfreude, die man in den ersten beiden Werken noch vermisst hatte. Noch mehr als in Wellingtons Sieg war das Orchester klanglich ausbalanciert, da nun auch die Violinen mit strahlendem Ton brillieren konnten.

Die Münchner Symphoniker mit Kevin John Edusei © Marco Borggreve
Die Münchner Symphoniker mit Kevin John Edusei
© Marco Borggreve

Das Allegretto interpretierten die Münchner Symphoniker der Tempobezeichnung entsprechend zügig und setzten sich so von einigen anderen Interpretationen ab. Trotz des schnelleren Tempos ließ Edusei aber keinen Zweifel an der drängenden Intensität des Satzes und führte konsequent steigernd auf die Höhepunkte hin. Die letzten beiden Sätze der Symphonie zeugten wieder von der großen Spritzigkeit, die die Symphoniker diesem Beehoven verliehen. Besonders beeindruckend bewies Edusei, welchen großen, feierlichen Klang er dem Orchester zu entlocken vermochte. Besonders der dritte Satz überzeugte mit seiner genau gearbeiteten Akzentuierung, die den tänzerischen Charakter unterstrich und mit fröhlicher Ausgelassenheit interpretiert wurde, während die Symphoniker im Finale klanglich wieder mehr Dramatik boten, die furiose Grundstimmung des Scherzos aber beibehielten.

Mit ihrem Beethoven-Programm boten die Münchner Symphoniker dem Publikum eine tolle Gelegenheit, die vielen unterschiedlichen Facetten in Beethovens Musik zu entdecken. Musikalisch konnte dabei vor allem die Symphonie überzeugen, in der die Musiker die größte Spielfreude zeigten.