Obwohl die Oper kein Meeresthema hat, war Verdis Aida eine weitere gute Entscheidung für die jährliche Hafen-Produktion der Opera Australia. In diesem Jahr findet die Serie zum vierten Mal statt; sie hat sich bisher verständlicherweise auf die größten Hits (La traviata, Carmen, Butterfly) konzentriert und hat spektakuläre Produktionen geschaffen, die dem einzigartig photogenen Hintergrund gleichkommen, der das Opernhaus, Harbour Bridge und die Skyline der Stadt in der Abenddämmerung beinhaltet. Aida ist ein Synonym für Prunk, der Triumphmarsch im zweiten Akt ein Geschenk für jeden Regisseur, der sein Publikum beeindrucken will. Gale Edwards ist ein wahrer Aufruhr an Farben und Bewegung, sicherlich exzessiv, aber nicht unangebracht exzessiv. Abgesehen vom unabdingbaren Feuerwerk (hier in einer Flaute im Finale des zweiten Aktes eingeführt) schossen in der Tempel-Szene im ersten Akt Flammen in die Höhe, und Radamès kehrte auf dem Rücken eines Kamels aus dem Krieg zurück. Wenn Sie große, auffällige Oper mögen (und den ein oder anderen vorbeifliegenden Helikopter verzeihen können), ist das genau die richtige Produktion für Sie.

Mark Thompsons Bühnengestaltung wurde von einem gigantischen Kopf beherrscht, der auf der berühmten Nefertiti-Statue (jetzt in Berlin) basiert und im zweiten Akt rotierte, um den Blick auf den Thron des Königs freizugeben. Ein Auge fehlte ganz im Stile des Terminators, und von dieser erhöhten Position aus sang Amneris ihre letzte Klage über die sterbenden Liebenden. Während der Ouvertüre grübelten mehrere cartoonartige Generäle über Manöver auf einer Kriegskarte, die die Grenzen zwischen Ägypten und Äthiopien zeigt; der Sudan war bequem verschwunden. Die Inszenierung war eine Collage aus verschiedenen Stilen, in denen (um das Programmheft zu zitieren) „Bilder des klassischen und modernen Ägyptens sich schamlos mischen“. Die Reihen der Ölfässer waren ein solches zeitgenössisches Element, und der Triumphalismus der siegreichen Armee, die im zweiten Akt mit ihrer Beute wiederkehrt, wurde schön durch Reihen von Särgen untergraben. Die Gelegenheit zu üppiger Darstellung wurden weiterhin mit offenen Armen begrüßt, als Truppen von Tänzern und Flaggenchoreographie vielleicht eher die Welt des Musiktheaters andeuteten als die der Oper.

Zufällig habe ich mich kürzlich mit einem Gesangsabteilung aus dem Sydney Conservatorium of Music über den Unterschied zwischen Oper und Musiktheater unterhalten. Theoretisch völlig verschiedene Dinge, praktisch aber verschwimmen die Grenzen oft: Opernkomponisten nutzen die populäreren Musikstile heutzutage frei, und manche Werke (wie Porgy and Bess) haben die Grenze überschritten und werden in beiden Sphären gegeben. Ein Unterschied jedoch, der überwiegend erhalten bleibt, ist der Gesangsstil: wo das Musiktheater sich frei des verstärkten Klangs bedient, müssen die Sänger in der Oper diese Reichweite selbst leisten.

Oper am Hafen nimmt auch diesen Unterschied, indem sie die Sänger mit Mikrophonen ausstattet. Ich will damit nicht sagen, dass es bei einer Veranstaltung unter freiem Himmel anders gehen könnte, ganz ohne die Hilfe einer Bühnenmuschel, die den Klang nach vorne in ein abgeschlossenes Auditorium sendet. Nichtsdestotrotz bleibt, dass die Lautstärke verändert werden kann und wird, wenn Stimmen durch Lautsprecher kommen. Ich habe die meisten der Sänger dieser Besetzung vorher schon im Joan Sutherland Theater gehört und weiß, wie viel stimmliches Gewicht ein jeder von ihnen besitzt, und während die dynamische Breite gestern Abend mehr oder weniger gleich waren, so wäre das doch im Inneren des Opernhauses nicht der Fall gewesen.

Nicht, dass die Mikrophone alle Unterschiede zwischen den Sängern auslöschte: Tonqualität, Größe des Vibrato und natürlich reine dramatische Intensität blieben nach wie vor Elemente des Unterschieds. Die hervorragende Latonia Moore, die mich in der Titelrolle und im Saal vor drei Jahren absolut umgehauen hat, war abermals stimmlich glänzend. Stark an beiden Enden ihres Umfangs' (sie warf am Ende des ersten Aktes sogar ein ungeschriebenes hohes Es ein) war Moores Stimme so farbenreich wie ihr Kostüm, das den Traum eines jeden Farbfilms in den Schatten stellte. Als Amneris war Milijana Nikolic in Augenblicken höchster Dramatik in Bestform, und die fing die emotionale Breite ihrer Figur äußerst gut ein. Michael Honeyman gab einen guten Amonasro (hier als Rastafari-Guerilla), David Parkin war angebracht überlaut als Priester Ramfis, und Eva Kong beeindruckte in ihrem kurzen Auftritt als Hohepriesterin.

Walter Fraccaros Radamès allerdings war weniger nach meinem Geschmack: Sein hohes B ist zwar stark, doch seine eiernde Aussprache fand ich wenig ansprechend. Gennadi Dubinsky als König war anfangs in seiner Intonation so unkonzentriert, dass es schwer war zu erkennen, was wohl die Melodie sein mochte. Dirigent Brian Castles-Onion, ein alter Hase der Harbour-Serie, leitete Instrumentalisten und Sänger mit sehr wenigen bemerkbaren Stolperern. Der Klang der Streicher litt bisweilen durch die Verstärkung – die filigrane Figuration in „Celeste Aida“ beispielsweise klang mechanisch – doch die größeren Momente waren richtig erhebend. Und obwohl diese ersten vier Minuten für die Stimmung doch eine wichtige Rolle spielen, war es in Anbetracht dessen vielleicht gar nicht so schlimm, dass der exotische Anfang der Nil-Szene des dritten Aktes gestrichen worden war.


Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.

 

***11