Die Stadt Darmstadt kann sich mit einem großartigen Orchester rühmen, das Staatsorchester Darmstadt, das das Programm an Theaterstücken und Rezitalen des herrlichen modernen Staatstheaters (gute Akustik, gute Sicht, bequeme Sitze) mit einer Reihe an Konzerten und Opern ergänzt. Als Abschluss der symphonischen Saison 2016-17 spielte das Orchester unter der Leitung des Generalmusikdirektors Will Humburg ein Konzert mit drei mächtigen Werken für großes Orchester, das ein für einen Sonntagmorgen großes Publikum anlockte.

Staatsorchester Darmstadt © Vincent Stefan
Staatsorchester Darmstadt
© Vincent Stefan

Das erste Stück war György Kurtágs Stele aus dem Jahr 1994. Der aus dem Griechischen stammende Titel verweist auf einen Grabstein und ist eine Elegie auf den Freund des Komponisten, András Mihaly. Der Komponist machte verschiedene, manchmal widersprüchliche, Kommentare zu Stele, unter anderem eine Anspielung auf jemanden, der verwundet am Schlachtfeld liegt und nur noch den strahlend blauen Himmel sieht. Das Programmheft verwies auf Bezüge der Partitur auf Beethoven, Wagner, Bruckner und Bartók und, und es war eindeutig Teil der europäischen Musiktradition, aber man kann nicht zwingend Rückschlüsse über die Details dieses ernsten, bewegenden und in der Tat monumentalen Werkes schließen. Von seinem langsamen, mysteriösen Beginn an war es ein fesselndes Stück. Es brauchte ein riesiges Orchester (zehn Perkussionisten, sechs Flöten und so weiter), um reiche und faszinierende Klänge, oft von ungewöhnlichen Instrumentenkombinationen, zu erzeugen. Der wunderschöne, friedliche abschließende Teil (möglicherweise an den strahlend blauen Himmel erinnernd) war besonder ansprechend, aber es endete ziemlich abrupt. Das mit dem Stück wahrscheinlich nicht vertraute Publikum war zunächst unsicher, ob es denn tatsächlich schon zu Ende war und hoffte sicherlich auf mehr.

Nach Stele kam etwas weitaus Vertrauteres aus dem Standard-Orchesterrepertoire: Richard StraussAlso sprach Zarathustra, basierend auf (oder eher „frei nach”) Nietzsches philosophischer Dichtung. Die Teile des Werkes beziehen sich auf ausgewählte Kapitel des Buches und scheinen eher eine musikalische Antwort als ein Versuch Nietzsches Ideen in Musik zu übersetzen zu sein. Der berühmte Sonnenaufgang, der das Stück eröffnet, wurde beeindruckend dargeboten. Im folgenden „Von den Hinterweltlern” war unweigerlich eine kleine Antiklimax, das Stück erholt sich schnell, und Humburg führte uns dann zu gegensätzlichen lyrischen, energischen und tänzerischen Episoden, als ob er eine Geschichte erzählen und einen eindrucksvollen Schluss erreichen würde – obwohl es eigentlich keine Handlung zu verfolgen gibt. Die Details der Instrumentalsoli kamen durchwegs klar durch. Die markante Solovioline im „Tanzlied” wurde mit viel Schwung und Begeisterung vom Konzertmeister gespielt.

Nach der Pause kam Stravinskys Le Sacre du printemps, das sich in etwas mehr als nur einem Jahrhundert von einem berüchtigten Stück schwieriger moderner Musik zu einem beliebten Favoriten entwickelte. Und doch ist es noch immer unbequeme Musik. Beim öffnenden Fagottsolo läuft es einem wie sonst auch kalt den Rücken runter und die scharfen und sich ändernden Rhythmen sind noch immer verstörend, wie auch die Schreie der Holzbläser und die aggressiven Rufe des Blechs. Die hämmernden Beiträge der Pauken und Trommeln zeigen eine selten erreichte Gewalt. Humburg ging sicher, dass diese rohen Kanten in der Vorstellung nicht geklättet wurden. Es herrschte eine scharfe, kompromisslose Energie, die das Publikum begeisterte. Wir wurden daran erinnert, dass das Ballett an heidnische russische Szenen anspielt. Wie auch bei Strauss waren die solistischen Beiträge erstklassig.

Humburg dirigierte alle drei Werke vorbildlich, führte das Orchester zu einer herausragenden Vorstellung. Alle drei Stücke gaben den Orchestersolisten reichlich Möglichkeiten zu scheinen und sie schienen diese Gelegenheit zu genießen. Humburg ließ die Solisten und einzelnen Register des Orchester großzügig und wohlverdient bejubeln, sowohl nach Also sprach Zarathustra als auch am Ende des Konzerts. Alles in allem war es ein sehr lohnendes Konzert, das uns die nächste Saison kaum erwarten lässt.

 

Aus dem Englischen übertragen von Elisabeth Schwarz

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