Wie der Vater, so der Sohn. Was für Bachs galt, gilt auch für die Suzukis, die Bachkoryphäen schlechthin aus Fernost. Wie das barocke Musikgenie selbst Organist und Cembalist, ist Masaaki Suzuki weltbekannter Gründer und Leiter des Bach Collegiums Japan, Filius Masato auch professionell an historischen Tasten zugange, seit Jahren bereits Co-Chef und designierter Nachfolger der von Mutter Tamaki gemanagten Ensembles. Beide haben in den Niederlanden studiert, treten hier regelmäßig auf, das Land ist für sie zweite Heimat. 2023 leitete Masato die traditionelle, gründungsmythische, mittlerweile zum niederländischen Kulturerbe erhobene Matthäus-Passion-Tour der Nederlandse Bachvereniging, nachdem Papa Masaaki das bereits 2005 getan hatte. 21 Jahre später stand Masaaki den Musikern erneut bei diesem Anlass vor.

Masaaki Suzuki © Jostijn Ligtvoet
Masaaki Suzuki
© Jostijn Ligtvoet

Und entfaltete da seine ganze, immer weiter greifende Erfahrung, die bei bedächtigem Schrittmaß durch die Partitur zwecks alles bestimmender Deutlichkeit das ihn auszeichnende Kunststück vollbrachte, schlafwandlerisch-laseroptische Sorgfalt mit eindringlich akzentuierter sowie musikalisch fließender, botschaftspflichtiger und enthusiastischer Hingabe zu koppeln. Glücklicherweise bester, dramaturgisch überaus sinnfällig figurativ verstandener Beleg dafür waren die aus dem Affekt nahezu attacca angesetzten, im Arien- und Turbaverhältnis dann sogar temporeichsten Choräle, die durch gleißend herausgestelltes Absetzen emotionaler Schlüsselwörter verbundenen mit herzlich weichem Strom die besonders intensiven, rhetorisch lebendigen Momente balsamisch mitfühlender und energisch bestärkender Anteilnahme am Kreuzesschicksal Jesu schufen.

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Auf ebensolche Expertise und Exzellenz traf Suzuki, der die Anfangs- und Schlusschöre dynamisch aufzog, natürlich doppelt hilfreich bei der NBV, die im ersten Teil von und dort in „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ der farblich und intonatorisch erheblich stimmigeren Abordnung des seit zwanzig Jahren bei den Matthäus-Touren involvierten Kampen Boys Choir unterstützt wurde. Orchester und Chor der Bachvereniging vollzogen flexible Artikulationschemata und Innigkeit mit in Fleisch und Blut übergegangener kultivierter, lichter Klangsprache, die für sich genommen als niederländisches Kulturgut durchgehen könnte. Dabei erfüllten die reiheneigenen Vokalsoli (Matthew Baker, Mitchell Sandler, Samuel Wong, Valérie Stammet und Amelia Berridge) ihre Aufgabe genauso verlässlich wie die instrumentalen sie vor allem mit Cecilia Bernardini, Rodrigo López Paz, Mieneke van der Velden, Johanna Bartz und Benny Aghassi in bestechend aromatischem, gerätebedingt teils erstaunlich klarem Ton und vorzüglicher Phrasierung umsetzten. Herauszuheben auch das essenzielle, hervorragend bestellte Basso Continuo.

Nicholas Mulroy © Jostijn Ligtvoet
Nicholas Mulroy
© Jostijn Ligtvoet

Die Rolle des Evangelisten oblag diesmal Nicholas Mulroy, seinerseits ebenfalls mit langjähriger Vertrautheit ausgestattet. Sie machte sich nicht allein im selbstverständlich auswendigen, im Gerichtsdrama inbrünstig erzählstarken Vortrag bemerkbar, sondern im gesamten einfühlungsvermögenden Ausdruck und Auftreten. Darin löste sich sein unikales teigiges Timbre bei generell breitem Register mit lyrischerem Einschlag noch mit zunehmender Fortdauer in der Mittellage etwas, zudem traf er bei wenigen Ausnahmen die delikaten Höhen. In warm durchdringender, typisch aus sich strömender, anmellierter Bassbariton-Statur überzeugte einmal mehr Stephan MacLeod als ehrfurchtsautoritärer, in Güte, prophetischer Annahme und Menschlichkeit rührender Jesus, wenngleich einige auch wiedererkennbaren Ein- und Abschleifer die Sauberkeit ein wenig trübten. Wie für ihn gelegen die von ihm zudem übernommene, kantilenige Bass I-Arie „Mache dich, mein Herze, rein“, die MacLeods einnehmende Tonalität final unterstrich.

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<i>Matthäus-Passion</i> mit der Nederlandse Bachvereniging &copy; Jostijn Ligtvoet
Matthäus-Passion mit der Nederlandse Bachvereniging
© Jostijn Ligtvoet

Von ausgesprochen harmonie- und diktionsbetonter, farbeindrücklicher und verständlicher Klasse präsentierte sich abermals Alexander Chances Altus, der im Duett „So ist mein Jesus nun gefangen“ fabelhaft abgestimmt war auf Miku Yasukawa. Dabei wechselte Yasukawa abendlich erst auf die Sopran I-Position, in der ihre Höhe mit juwelierartigem Schliff gut zur Geltung, tieferes Gefilde etwas dünn herüberkam. Sowohl bei ihr als auch marmeladiger timbriertem Tenor Raphael Höhn und baritonal anregend, für erforderliche Tiefe leicht flach, rhetorisch nivellierter besetztem Toru Kaku traten letztlich doch kleinere Balanceschwierigkeiten zum Orchester auf. Ausgezeichnet in Stil, Puristik, Deutlichkeit und Stimmführung untermauerte Alison Lau als Sopran II ihr Talent, von dem ihrerseits Shimon Yoshida mit wohlausgebildetem, kontrastgeladenem Tenor und Christopher Lowrey mit abgerundetem, kopf-brust-stimmgefälligem Counter zeugten.

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