Igor Levit und Budapest Festival Orchestra unter Leitung seines Gründers Iván Fischer haben sich in drei aufeinanderfolgenden Konzerten in Berlin Prokofjews fünf Klavierkonzerte zugewandt. Im mittleren Konzert stand zwar sein bekanntestes, das Dritte, auf dem Programm, doch war es keinesfalls so, dass die Orchesterstücke das Solokonzert nur umrahmten.

Eröffnet wurde der mittlere Abend des dreiteiligen Zyklus mit Prokofjews Orchesterfassung der zunächst für Sextett komponierten Ouvertüre über hebräische Themen. Ákos Ács, der Soloklarinettist des Orchesters, stand für das Werk mit Klarinettenkonzert-Charakter vor den Streichern. Die Klezmer-Melodie des Hauptthemas trug er rhythmisch beschwingt und mit gelegentlichem Schlender-Gestus vor. Die Aufführung verzichtete dabei auf jede Sentimentalisierung oder Überzeichnung, sondern stellte auch die motorischen Züge heraus. Dabei kam dem Orchester sein grundlegend eher scharfer als verschatteter Grundklang zugute.

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Von Prokofjew wird berichtet, dass er Finger wie Stahl gehabt und seine Klavierwerke auch für diese geschrieben hätte. Levit stellte sich seinen hohen Anforderungen, nahm den Solopart aber eher schnörkellos als stechend, mitunter verfremdete er ihn sarkastisch oder parodistisch, aber nur, wenn es der Notentext auch vorgibt. Er kokettierte nicht damit, dass ihm die Bewältigung technischer Anforderungen keine Probleme bereitet. Das Hauptgewicht legte er auch nicht allein auf die rasend schnellen Läufe und die aberwitzigen Kaskaden, sondern gab den lyrischen Seiten des Konzertes das ihnen zukommende Gewicht. Die von Holzbläsern geziert, aber wie als Nostalgie intonierte Gavotte wusste er in der ersten und vierten Variation regelrecht zu verzaubern.

Er versah das Thema in den übrigen Variationen nicht allein mit eleganter Verzierung, sondern setzte seinen Part als Versenkung oder Reflexion gegen alle mitunter auftrumpfende Orchesterwucht und vor allem die abschließend in den Holzbläsern erklingende Vergrößerung des Themas. Im Finale karikierte Levit in zugespitzter Virtuosität immer wieder die vom Orchester vorgegebene Thematik in Zerrbilder und wechselte dabei gekonnt zwischen con sentimento und turbolento. Am Ende wurde der burleske Refrain von allen Beteiligten allein dem Rhythmus überlassen und das Stück gehämmert und zum Ende regelrecht gepeitscht.

Als Zugabe spielte Levit die beiden letzten Stücke aus Schumanns Kinderszenen: Kind im Einschlummern und langsam und in jede Note versunken Der Dichter spricht.

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Im zweiten Teil präsentierte Fischer mit dem Budapest Festival Orchestra seine Auswahl von Suitensätzen aus dem Ballett Cinderella. Dass der Dirigent jeweils vor jedem Satz erläuterte, zu welchem Handlungsteil dieser im Ballett erklingt, war tatsächlich hilfreich, um die sinfonisch dargebotenen, aber szenisch komponierten Stücke zu verstehen. In diesen Sätzen wurde deutlich, auf welch hohem Niveau das Orchester musiziert – alles klang wie ins Licht gesetzt.

Eröffnet wurde die Auswahl mit von den Festgästen vergnügt getanzten, nicht feierlich geschrittenen Pavane. Im Tanz mit dem Schal und im Streit konnte man am Ende das Zerreißen des Schals regelrecht hören. Sehr kraftvoll im Ton wurde die Mazurka, hinreißend aufgeregt Aschenbrödels Gang zum Ball dargeboten und der Walzer in einen dunkel-schwermütigen Klang getaucht.

Ausgeklungen ist das Konzert mit dem russisch-orthodoxen Hymnus O friedvolles Licht. Fischer sprach das Publikum an und erläuterte ihm, dass diese Musik in der Hoffnung auf Frieden im Osten Europas erklänge. Sein Orchester legte die Instrumente beiseite und sang a-cappella. Das ging in der Tat zu Herzen.


Das Konzert wurde von der Konzertdirektion Hans Adler veranstaltet.

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