Ich muss Ihnen etwas gestehen. Siegfried ist die Oper des Rings, die ichmit Abstand am wenigsten gerne mag. Sie sollte es nicht sein: das zerbrochene Schwert wird zur eingängigen Melodie einer Tenorarie wieder zusammengeschmiedet, ein Drache wird getötet und die schlafende Walküre geweckt, um ein starkes Duett mit dem Helden zu singen. Es sollte ein Vierteltag voller Aufregung sein. Für mich ist es das oft nicht, und die aktuelle Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper trägt leider nicht dazu bei, meine Meinung zu ändern.

Das Bühnenbild war daran nicht schuld; tatsächlich war es das beste, das ich in diesem Zyklus bisher gesehen habe. Siegfried eignet sich gut für Andreas Kriegenburgs Kunstgriff der Tänzer als Bühnenbild. Furcht wurde durch sich windene Hände personifiziert, die nach Mime griffen, Siegfried jedoch verspielt streichelten. Erde trat aus einem Berg schwarzer und weißer Körper hervor, die sich in Reaktion zu Wotans Erklärungen bewegten. Der Drache Fafner bestand aus einem fliegenden Konglomerat aus rotgekleideten Tänzern, mit Bass Christof Fischesser in seinem Zentrum. Wehendes, orange beleuchtetes Plastik hielt inne und bedecke seine Träger, als Siegfried durch das Feuer ging, um zum Gipfel von Brünnhildes Berg zu gelangen. Die Bäume des Waldvogels, dargestellt von geharnischten und von der Decke hängenden Menschen, die Zweige hielten, waren besonders schön.

Nein, ich glaube, dass es an der Besetzung lag. Mir gefiel Andreas Conrads kurzer Auftritt als Mime im Rheingold, aber für seine größere Rolle in Siegfried war er nicht unbedingt gut geeignet. Seine Stimme war hörbar aber unaufregend, und seine übertriebenen aber unmotivierten Bewegungen machten die Figur sehr zweidimensional. Es war unmöglich, Sympathie für Mime oder seine Ziele zu empfinden, und ich habe den zweiten Aufzug lang insgeheim seinen Rivalen Alberich angefeuert. Thomasz Konieczny übertraf alle anderen Sänger auf der Bühne in vokalem Ausdruck und schierem dramatischen Engagement. Seine Mischung aus Hochmut und plötzlicher Angst, als er mit Wotan sprach, war brillant. Ich wünschte nur, er hätte mehr zu tun! Als Wanderer war Thomas Mayer weiterhin stark; es war zwar schwierig, unter der breiten Hutkrempe sein Gesicht zu sehen, aber er zeigte solides Gefühl für seine Figur mit Körper und Stimme, und sein Wotan strahlte eine faszinierende Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung aus.

Natürlich ist Siegfried selbst der Pfeiler der Oper. Stephen Gould ist in dieser Rolle sehr gefragt, aber meiner Meinung nach konnte er am Sonntag nicht liefern. Seine Stimme konnte bei hohen Tönen verblüffend klar und laut sein, verlor jedoch nach unten hin schnell an Kraft. Selbst das heroische Schmiedelied war enttäuschend. Auch sein Schauspiel war durchwachsen: seine verächtliche Beziehung mit Mime war gut gespielt, doch zwischen ihm und Brünnhilde gab es weniger romantische Funken als zwischen Alberich und Wotan. Und es lag nicht daran, dass Catherine Naglestad es nicht versucht hätte. Sie sang wunderschön und kraftvoll, mit emotionalem Umschwung von versuchter Verführung über Schande zu Freude. Ich vermisste Evelyn Herlitzius (sie sang Brünnhilde in der Walküre), aber nur aufgrund der Aufregung und Unvorhersehbarkeit, die sie in die Rolle einbrachte, nicht etwa, weil es Naglestadt an stimmlichem oder dramatischem Können mangelt.

In den Nebenrollen verlieh Qiu Lin Zhan ihrer Stimme als Erda einen schönen Schimmer, obwohl ihr die Tiefe und Resonanz fehlten, die man bei Okka von der Damerau zuvor in dieser Rolle gesehen hatte. Christof Fischesser (Fafner) klang angemessen bedrohlich und kippte dramatisch um, als er erstochen wurde. Als Waldvogel klang Iulia Maria Dan ein wenig schief in einem eigentlich klaren lyrischen Part – vielleicht verlangte sie ihrer Stimme zu viel ab? Charmant war jedoch die Art und Weise, in der sie umher huschte und ihre Federfächer schwang.

Ungeachtet der Besetzungsproblematik haben sich Kirill Petrenko und das Bayerische Staatsorchester nur weiter gesteigert, von Oper zu Oper und innerhalb der einzelnen Werke. Während die erste Ouvertüre Großartiges versprach, so war es das Vorspiel zum dritten Aufzug, dessen energiereiche Umsetzung und perfekte Balance der Motive ich einfach umwerfend fand. Innerhalb des Orchesters verdient Samuel Seidenberg besondere Erwähnung für Siegfrieds martialisches Hornsignal.

Sowohl gut gespielte Musik als auch ein interessantes Bühnenbild sind wichtig, doch sie machen noch keine Oper. Unausgeglichener Gesang und unausgeglichenes Spiel machden diesen Siegfried zur Enttäuschung, besonders nach der hervorragenden Walküre dieses Zyklus. Wollen wir hoffen, dass die Götterdämmerung nach letzterer gerät.

 

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck

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