Was bekannte Opernkomponisten angeht, sticht Wagner aus mehreren Gründen hervor, nicht zuletzt, weil er ganz klare Vorstellungen – Überzeugungen – darüber hatte, was diese Kunstform eigentlich ausmacht. Und er brachte seine Ansichten über die Oper nicht weniger vehement zum Ausdruck, wenn sie sich gelegentlich ändern sollten. Tristan und Isolde hat das Privileg, den Wandel zu belegen, der sich nach Wagners Lektüre von Schopenhauer vollzog, einer Philosophie, die ihn von seiner früheren Ausrichtung auf das Gesamtkunstwerk abwandte und ihn dazu brachte, die Musik als das grundlegende Element der Kommunikation in der Oper anzuerkennen, das wichtiger ist als die Worte, die Handlung oder die Kulissen. Und doch macht Musik allein noch keine Oper aus.

Die Metropolitan Opera rühmt sich des größten Repertoirehauses der Welt, das am Montagabend mit dem Versprechen großartiger Musik gefüllt war: Lise Davidsen erntete Anfang des Jahres für ihr Debüt als Isolde in Spanien großes Lob, und auch Dirigent Yannick Nézet-Séguin erhielt im vergangenen Frühjahr begeisterte Kritiken für seine konzertante Aufführung mit dem Philadelphia Orchestra. Die Aussicht auf ein transformatives Hörerlebnis reichte dem Publikum, das gespannt darauf war, Michael Spyres' Tristan-Debüt zu hören und sich auf die neue Inszenierung des Regisseurs Yuval Sharon einzulassen.
Die Welt, in der Sharon die Handlung ansiedelt, ist eine sehr, sehr seltsame Welt. Eine Art Blende öffnet sich und gibt den Blick frei auf erhöhte zylindrische Bühnen, die an die Betongewölbe erinnern, die unter Städten verwendet werden, um Versorgungsleitungen voneinander zu trennen. Der Großteil des Gesangs findet innerhalb dieser Behälter statt, die manchmal mit Farben beleuchtet werden, die die Stimmung unterstreichen. Zwischen den Zylindern und dem Graben befindet sich ein schmaler Bühnenbereich mit einem Tisch, an dem zunächst nur zwei Tänzer-Doubles sitzen.
So alltäglich ein Tisch auch ist, auf der Bühne wirkt er erzwungen oder sogar unerwünscht. Ein Großteil der Handlung um ihn herum erscheint überflüssig oder steht im Widerspruch zur Geschichte. Das Tänzerpaar strebt nach einem intimen Moment, trennt sich jedoch in dem Moment, in dem die Musik an Intensität gewinnt; der König liebkost ewig lang die Scherben eines zerbrochenen Tellers. Diese kleinen Handlungen werden über die Szene projiziert und vergrößert. Das wirkt pedantisch, ja sogar paternalistisch, als könne das Publikum ohne eine anhaltende Beschäftigung mit den Scherben keine Verbindung zwischen „zerbrochenem“ Vertrauen, Träumen und Realitäten herstellen. Während einige Inszenierungen kreativ sind, beeinträchtigen die interessantesten Teile die Projektion der Sänger, darunter auch die von Davidsen, der stärksten Stimme im Ensemble, die fast immer makellos ist, wenn sie nicht physisch durch das Bühnenbild blockiert wird.
Lise Davidsens Stimme war dunkel und brillant, ein schwarzer Diamant unter den Sopranen. Im zweiten Akt gab es sogar einen Moment, in dem sie das Werk in etwas verwandelte, das eher an Hildegard erinnerte, indem sie ihr Crescendo lieber aufblühen ließ, anstatt es explodieren zu lassen. Wenn ihre Darbietung überhaupt einen Makel hatte, dann beschränkte sich dieser auf Teile des dritten Aktes, die im Vergleich zu der phänomenalen Präzision, Reichweite und Klarheit, die sie zuvor gezeigt hatte, manchmal etwas undeutlich wirkten.
Spyres erwies sich als eine hervorragende Wahl für diese Rolle. Er begann eher zurückhaltend, steigerte sich dann im Duett im zweiten Akt und lieferte Kraft, Wahnsinn und süße, zitternde tiefe Töne, während Tristan gegen sein bevorstehendes Ende ankämpfte. Tomasz Konieczny präsentierte einen starken, überzeugenden Kurwenal. Abgesehen von der Kraft seines Bassbaritons stand sein Schauspiel in einem großartigen Wechselspiel mit der Musik und interpretierte Spannung, Sorge und treue brüderliche Liebe sowohl mit seiner Haltung als auch mit seinem Gesang.
Unten im Orchestergraben hielt Nézet-Séguin mit dem Met Orchestra ein gesundes Tempo. Es gab zwar einige Passagen mit fragwürdiger Dynamik, aber das waren höchstens ein paar Minuten in vier Stunden ansonsten exzellenter Musik.
Eine große Herausforderung von Tristan und Isolde besteht darin, dass zwar die Musik im Vordergrund steht, aber dennoch etwas auf die Bühne gebracht werden muss. Minimalismus und Abstraktion scheinen philosophisch gesehen die richtige Richtung zu sein. Aber es gibt einen Unterschied zwischen subtil und vage, ernst und streng, häuslich und bizarr. Sharon hatte sicherlich die Absicht, ein Erlebnis zu schaffen, das über die Ursprünge der Geschichte hinausgeht, aber letztendlich positioniert er die Geschichte weder hier noch dort und steht dennoch der Musik spürbar im Weg.
Ins Deutsche übertragen von Elisabeth Schwarz.

