Es war ein riesiges Unterfangen seitens des Komponisten Heinz Karl Gruber, Ödön von Horváths Drama aus dem Jahre 1931 über die dunklere Seite der Wiener Gemütlichkeit im letzten Sommer für die Bregenzer Festspiele zu vertonen. Nun hat die Komposition im Theater an der Wien Quartier bezogen. Trotz brillanter musikalischer und darstellerischer Leistungen, einem anständigen Bühnenbild und vieler interessanter kompositorischer Ideen war es ein Abend, den man als gut und beeindruckend, aber auch als ermüdend beschreiben kann.

Für all diejenigen, die in den letzten Jahren keine der zahlreichen Theaterproduktionen des Stückes in und um Wien gesehen haben, sei hier kurz die Handlung umrissen: nettes Wiener Mädchen Marianne (Ilse Eerens) verlässt ihren Verlobten Oskar (Jörg Schneider) und bekommt ein Kind mit dem Hallodri Alfred (Daniel Schmutzhard). Für den einen Versuch, ihrem Herzen zu folgen, bezahlt sie mit einem gewaltigen sozialen Abstieg, wird Tänzerin in einem Nachtclub, in dem ihr herzloser Vater (Albert Pesendorfer) sie wiederentdeckt, und wird schließlich vom schleimigen „Mister“ (David Pittman-Jennings), der sie zu einer Prostituierten machen will, des Diebstahls bezichtigt. Von Kirche (in Form von Markus Butters Beichtvater) und Gesellschaft verurteilt, wendet sie sich schließlich wieder an Oskar, nur, um herauszufinden, dass ihre bösartige Schwieger-Großmutter (Anja Silja) trotz der Mühen ihrer Schwiegermutter (Anke Vondung) den Tod ihres Kindes in der Wachau verursacht hat, in dem sie es in der Nacht neben ein offenes Fenster legte, auf dass es sich eine Lungenentzündung einfange. Parallel dazu vertreibt sich Valerie (Angelika Kirchschlager), eine sexuell emanzipierte Frau von Welt, Tabak-Besitzerin und frühere Geliebte Alfreds, mit dem überdeutschen Studenten Erich (Michael Laurenz) die Zeit und beobachtet die Charaktere der Nachbarschaft, einschließlich des frauenfeindlichen Havlitschek (Robert Maszl) und dem Management des Maxim's (Alexander Kaimbacher und weitere).

Wenn sich das für Sie wie eine Menge Rollen anhört, so kommen wir einem der fundamentalen Probleme des Schauspiels in seiner Opernform näher – in einem Wort, das Problem ist der Umfang. Ursprünglich für eine viel größere Plattform konzipiert, ist die Kombination der Wiener Symphoniker (die im übrigen absolut spektakulär spielten) und dem Vorarlberger Jazzensemble für den begrenzten Raum im Theater an der Wien klanglich einfach zu viel. Besonders nach der Pause konnte der Taktstock des Komponisten das massive Ungeheuer einer Partitur gar nicht genug bezähmen, die Lautstärke erreichte beim Publikum oft die Schmerzgrenze. Dieser Mangel an Mäßigung erstreckte sich auch auf andere Bereiche der Komposition.

Gruber verbindet alles, vom Jazz zu musikalischen Zitaten von praktisch allem von Puccini über Banjo-Stücken zu Volksliedern. Er verwendet reichlich modern-atonales Ostinato, schreibt originale Wienerlieder und sogar Saloon-Musik (kurze Augenblicke, in denen man einen Laien „Auf der schönen blauen Donau“ auf einem verstimmten Klavier spielen und schließlich frustriert den Deckel zuknallen hört). Die Besetzung von enormem Ausmaß sang tonal, atonal, melodisch, tönend, im Sprechgesang, bewältigten massive Sprünge, schrien und führten generell jede Art vokaler Gymnastikübung aus, die man sich vorstellen kann. Es gab einen gänzlich überflüssigen (aber ausgezeichneten) Chor (das Vokalensemble Nova) und Tänzerinnen mit entblößtem Oberkörper, im Maxim's. Das gesamte Ensemble, mit sehr wenigen Ausnahmen, sang, spielte und musizierte (Bravo, Regisseur Michael Sturminger!) mit Überzeugung und Können von Weltklasse, aber man bekam den Eindruck, als hätte jemand wirklich jede Zutat einer Oper in einen Topf geworfen, gut gerührt und gedacht, es wäre großartig. Es schmeckt so, als hätte sich jemand nicht eindeutig für eine spezifische Richtung entscheiden können. All die für sich brillanten Elemente mischen sich zu einem klumpigen Braun, und unsere Geschmacksnerven zogen sich vor einer solchen Überfrachtung zurück.

Dennoch; wenn Sie ein Liebhaber guten Gesangs und guter Interpretationen sind, sollten sowohl Ilse Eerens als auch Angelika Kirchschlager eine Auszeichnung für ihre Leistungen bekommen, die absolut erstaunlich waren. Es gibt in diesem dreistündigen Werk sehr wenig, von dem man nicht sagen kann, dass es gut war, und viel war nicht nur ein bisschen gut, sondern wirklich hervorragend. Aber so, wie in der Küche zu viele Köche den Brei verderben, war zu viel von zu vielen verschiedenen, unvereinbaren Dingen einfach anstrengend. Und hier endet diese Wiener Geschichte.

 

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck

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