Il viaggio a Reims war die erste Oper, die Gioachino Rossini für Paris schrieb; sie war als Festwerk zur Feier der Krönung von König Karl X. von Frankreich im Jahr 1825 konzipiert. Die Handlung ist äußerst seicht: Eine Gruppe angesehener europäischer Gäste versucht, nach Reims zu gelangen, um an der Krönung teilzunehmen, sitzt jedoch im Kurort Il Giglio d’Oro fest, da sie keine Pferde für ihre Kutschen auftreiben können. Diese missliche Lage wird zum Vorwand, um die verschiedenen Nationalitäten, Macken, Eigenarten und romantischen Verwicklungen der Gäste zu feiern. Dabei verspottet Rossini auf sanfte Weise die Figuren und die Belanglosigkeit ihrer Sorgen und stellt sie als eitel, oberflächlich und oft lächerlich dar.

In dieser Neuinszenierung bei den Salzburger Pfingstfestspielen haben Cecilia Bartoli und Regisseur Barrie Kosky diese brillante Komödie neu interpretiert, um Bartolis eigenen runden Geburtstag zu feiern, der in wenigen Tagen bevorsteht. Das Libretto wurde entsprechend angepasst, sodass die Gäste nun von „La Ceci“ statt von „Re Carlo“ sprechen. Anstatt Frankreich zu feiern, wird die Inszenierung zu einer Hommage an die Musik als verbindende Kraft, wobei der Text entsprechend geändert wurde, um diesem Konzept Rechnung zu tragen. Am Ende schickt La Ceci, enttäuscht darüber, dass die Gäste nicht an ihrer Geburtstagsfeier teilnehmen konnten, ihnen als Trost eine riesige Geburtstagstorte. Unweigerlich springt sie selbst aus der Torte.

Kosky nähert sich dem Werk, indem er die Ironie der Oper und ihre Satire auf die Figuren hervorhebt, die in extravaganten, farbenfrohen Kostümen von Victoria Behr auftreten, komplett mit übertriebenen Frisuren und einer endlosen Palette nervöser Ticks. Kosky scheint unter einem schweren Fall von Horror vacui zu leiden, was die gesamte Besetzung in einen Zustand ständiger Raserei versetzt. Die Darsteller springen unablässig herum, schreien, quietschen, kichern, niesen, haben Schluckauf, fallen in Ohnmacht, stolpern übereinander und – vor allem – stürmen durch Türen und schlagen diese hinter sich zu. Jedes Solo wird von einer Flut von Kommentaren, rhythmischen Unterbrechungen, Ausrufen und Reaktionen der umstehenden Darsteller begleitet. Der Lärm ist konstant, laut und unerbittlich. Kosky führt zudem ein ausgeprägtes sexuelles Element ein, vor allem in einer Nachtszene, in der sich zwölf Hoteltüren öffnen und schließen, während Sänger und Pantomimen in unterschiedlichem Zustand der Entkleidung von Zimmer zu Zimmer huschen, was ein Geflecht zunehmend unwahrscheinlicher romantischer Begegnungen suggeriert.

Doch Rossinis Überschwang erfordert keine hektische Inszenierung. Sein Chaos ist organisiert. Es besitzt Struktur, und die Musik selbst ist mehr als fähig, ein Gefühl von wirbelnder Energie und fieberhafter Spannung zu erzeugen. Ein Künstler, der dies ganz offensichtlich versteht, ist Gianluca Capuano. An der Spitze von Les Musiciens du Prince stellte er erneut seine tiefe Verbundenheit mit Rossinis Stil unter Beweis und entlockte dem Orchester einen bemerkenswert transparenten Klang, der sich durch rhythmische Vitalität und funkelnde Brillanz auszeichnete. Die historischen Instrumente boten eine reichhaltige und doch klare Klangpalette, die Rossinis melodische Erfindungsgabe lebhaft in den Vordergrund rückte und gleichzeitig die Präzision in der Komposition der Partitur offenbarte. Capuano entschied sich zudem, mehrere der für die Oper komponierten, selten aufgeführten Ballettnummern einzubeziehen, was einen willkommenen Bonus darstellte.

Die Besetzung vereinte einige der besten Rossini-Sänger der Gegenwart. An erster Stelle stand Bartoli selbst, die als Dichterin Corinna letztlich eine Version ihrer selbst mit bemerkenswerter Selbstironie darstellte. Ihre Stimme präsentierte sich in hervorragender Verfassung: Das hohe Register war brillant und geschmeidig, ihre Phrasierung zeugte von außergewöhnlicher musikalischer Intelligenz und ihre Pianissimi waren exquisit. In ihrem Duett mit dem Cavalier Belfiore, gesungen vom Tenor Edgardo Rocha, zeigten beide exzellentes komödiantisches Timing, stimmliche Präzision und funkelnde Chemie.
Mélissa Petit sang als Contessa di Folleville mit einer strahlenden, glänzenden Sopranstimme und einer umwerfenden Koloratur und zeigte dabei ein komödiantisches Talent, das ich bisher in ihren Auftritten noch nicht kennengelernt hatte. Die Marchesa Melibea war als Femme fatale konzipiert, und Marina Viotti war hervorragend, ihr tiefer, bronzefarbener Mezzosopran samtig und verführerisch. Ihr Duett mit dem Conte di Libenskof ist eine der schönsten Nummern der Oper, und Viotti und Dmitry Korchak trugen es mit gleichermaßen Humor und emotionaler Tiefe vor. Korchak meisterte die enormen Anforderungen der Rolle, einschließlich ihrer extrem hohen Tessitura, mit Bravour.

Als Madama Cortese, die Gastgeberin des Hotels, bewies die Mezzosopranistin Tara Erraught bemerkenswerte Vielseitigkeit: Sie sang mit einer leichten, silbernen Stimme, agiler Koloratur und starker Bühnenpräsenz. Misha Kiria war unwiderstehlich als Baron Trombonok, ein deutscher Aristokrat, der hier als Reinkarnation Wilhelms I. von Preußen dargestellt wurde. Sein kraftvoller Bass gab dem Geschehen Halt, während er verzweifelt versuchte, Ordnung in das umgebende Chaos zu bringen. Florian Sempey sang als Don Profondo die berühmte Arie „Medaglie incomparabili“ mit spektakulärer Sillabato-Technik, gekleidet in BDSM-Montur (fragen Sie nicht...). Ildebrando D’Arcangelo brachte seinen gewohnten Stil und seine Autorität in die Rolle des Lord Sidney ein.

Das großartige Concertato a quattordici voci war der unbestrittene Höhepunkt des Abends. Die Besetzung sang mit bemerkenswerter Präzision und echter Freude, während es Capuano irgendwie gelang, Sänger und Orchester bei rasendem Tempo perfekt im Einklang zu halten – ein wahrhaft rossinisches Glanzstück.
Ins Deutsche übertragen von Elisabeth Schwarz.























