Tristan und Isolde ist eine unheimlich schwer zu inszenierende Oper. Die Anforderungen an die Sänger sind immens. Die Integrität eines einzigen musikalischen Streits zu halten, der vier Stunden dauert, ist eine Herausforderung höchsten Grades für jeden Operndirigenten. Und es wird erwartet, dass man kurze Massenszenen à la Grand Opéra in mitten dessen auf die Bühne bringt, was zum größten Teil Kammeroper ist: ein Kampf der Ideen, ausgefochten in Duetten. Wenn jedoch all diese Probleme gelöst werden können, wie es gestern Abend in Covent Garden der Fall war, ist das Ergebnis ein Meisterwerk.

Wagner selbst bezweifelte, dass er jemals Sänger finden würde, die den Titelrollen gewachsen waren. Es ist das schiere Durchhaltevermögen, das beispielsweise im zweiten Akt gebraucht wird, wenn Isolde für den Großteil von 80 Minuten beinahe unablässig singt. Er wäre mit Nina Stemme und Stephen Gould sicherlich zufrieden gewesen.

Im ersten Aufzug ist Isolde wütend, mit großen W. Manche Sopranistinnen sparen hier Energie ein, um für die anstehende Prüfung bereit zu sein, Stemme nicht. Vom ersten Ton an warf sie sich in ihre Rolle und zeigte sowohl Rage als auch schwankende königliche Würde. Ihre Stimme hat Kraft, ohne je nach oben hin scharf zu werden, ihre Diktion ist ausgezeichnet (was für eine solch wortreiche Oper unabdingbar ist), und sie hat große Kontrolle über ihr Timbre, wodurch sie die dramatischen Veränderungen in Isoldes Figur im Laufe der Oper ausdrücken kann: Zunächst Wut, dann schüchterne Listigkeit mit Tristan im ersten Aufzug, Sturheit gefolgt von Süße und Verzückung im zweiten Aufzug, Verzweiflung im dritten.

Die Rolle des Tristan gebietet entsprechendes Durchhaltevermögen im dritten Aufzug, und auch Stephen Gould war dieser Aufgabe absolut gewachsen. Seine Stimme hat eine fabelhafte Weichheit in der hohen Lage, mit dem unheimlichen Trick, dass die Töne immer lockerer klingen, je näher er einem großen Spitzenton kommt – genau das Gegenteil von dem, was man erwarten würde. Wenn die Musik sich ins Entzücken wendet, trägt er wundervoll mitreißende Phrasen bei. In manchen der zartesten Pianissimi war die Kontrolle nicht ganz da, doch es war eine Stimme, der ich den ganzen Abend hätte zuhören können.

Die Nebenrollen erfuhren die an der Royal Opera übliche Behandlung einer Wiederaufnahme und wurden mit großen Namen geflutet. Als Brangäne war Sarah Connolly eher solide und verlässlich als herausragend – eher wie ihre Figur – und doch verdanken wir ihr einen der herausragenden Gesangsmomente des Abends, das „Einsam wachend“, in dem sie die Liebenden dazu anhält, ihrer zu gedenken, wenn sie über sie wacht. Iain Paterson war ein erstklassiger Kurwenal, der die bizarre Mischung aus Derbheit, Wärme und Vornehmheit, die er im dritten Aufzug verkörpert, zum Leben erweckte. John Tomlinson hält seine Phrasen nicht mehr so lange wie früher, die bleiben ungedimmt: seine Stimme ist laut, klangvoll, und weich. Und er ließ uns absolutes Mitgefühl für König Marke empfinden: ein mächtiger Mann, der mit jeder Faser seines Körpers für Güte und Versöhnung kämpft, am Ende jedoch jeder Hoffnung beraubt zurückbleibt.

Mit der Unterstützung eines langen Interviews im Programmheft ergibt Christopf Loys moderne Inszenierung viel Sinn. Er fokussiert auf die zentrale philosophische Prämisse der Oper – den Kampf zwischen „Nacht“ (dem Reich der Leidenschaft, dem sich Tristan und Isolde hingeben) und „Tag“ (den Kräften der äußerlichen Realität, in der sie noch immer funktionieren müssen). Die Bühne ist der Länge nach durch einen Vorhang geteilt. Im vorderen Teil herrscht Nacht, wo die Bühne praktisch leer ist und es nur den Diskurs der Protagonisten gibt, auf den man sich konzentrieren kann. Dahinter liegt der Tag, auf den man nur gelegentlich einen Blick erhascht, wo es Licht, Glitter und Feiern gibt. Die Inszenierung ist spartanisch, aber sie funktioniert: Wenn man einem der vielen Duetten der Oper lauscht, kann man sich vollkommen auf die Figuren und das Schauspiel konzentrieren. Und Loy entlockte all seinen Sängern glaubwürdiges Spiel.

Musikalisch ist das Problem von Tristan und Isolde einfach erklärt: Es ist eine Oper, in der die emotionale Temperatur stetig steigt, in einer musikalischen Konstruktion, die von Anfang bis Ende stark vereinheitlicht ist. Das Orchester allerdings kann unmöglich ein einziges, vierstündiges Crescendo spielen. Also muss der Dirigent ein wenig Zauber in das An- und Abschwellen der Musik einarbeiten, sodass jeder Höhepunkt intensiver scheint das der vorherige. Gestern Abend war Pappano famos. Die harmonische Integrität des Werkes war klar zu hören, das leidenschaftliche Anschwellen kam superb durch, und er schenkte jedem einzelnen Instrumentalklang ein beinahe obsessives Maß an Aufmerksamkeit: Die grollenden Kontrabässe im Vorspiel zum dritten Aufzug werden mir besonders in Erinnerung bleiben.

Diese Produktion mag ihre Makel haben (es gab den ein oder anderen gebrochenen Ton, und ich vermute zum Beispiel, dass man einiges der Handlung verpasste, wenn man ganz links im Publikum saß). Doch mit einer so herausragenden Orchesterleistung, erstklassigen Sängern die den ganzen Abend über alles gaben, und einer Inszenierung, die es dem Publikum gestattete, sich ganz auf die Psychologie einer jeden Figur im jeweiligen Moment zu konzentrieren ist diese Produktion von Tristan und Isolde eine zum Genießen.


Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.

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